1923: Alfred Inden, Fabrikdirektor der Vereinigten Stahlwerke AG in Düsseldorf, erwirbt von der Katholischen Kirchengemeinde Olef ein fast 40.000 qm großes Waldgrundstück und errichtet auf dem Wackerberg ein massives Jagdhaus. Ende der zwanziger Jahre verkauft Inden das Anwesen an einen befreundeten Düsseldorfer Unternehmer.

1933 brennt das Jagdhaus ab. Der Kreis Schleiden kauft das Grundstück und baut das Haus wieder auf - möglicherweise im Hinblick auf die weitere Nutzung für NS Organisationen. ln der Folge werden im Haus Wackerberg Mädchen untergebracht, die nach dem Schulabschluss ein Landjahr ableisten müssen ("Arbeitsmaiden").

Arbeitsmaiden

August 1943: Nicht weit vom Haus entfernt stürzt eine B17, ein amerikanischer Bomber, auch "fliegende Festung" genannt, auf dem Wackerberg ab. Die Maschine befindet sich auf dem Rückflug von einem Angriff auf Regensburg. Die 10 Mann Besatzung, darunter der Soldat Clifford Havercamp, können in einer Höhe von 4.000 bis 5.000 Meter abspringen. Es existieren heute noch Fotos, die Trümmerteile zeigen. Innerhalb eines Radius von einigen hundert Metern ist jedoch nicht geklärt, wo die Überreste der Maschine zu finden sind.

März 1945: Nach der Einnahme Schleidens durch US-Truppen verläuft die Frontlinie quer über den Wackerberg. Bei den heftigen Kämpfen wird das Haus schwer beschädigt.

Schlacht um Schleiden

1950:  Wilhelm von Ameln wird für die nächsten Jahrzehnte Eigentümer von Haus Wackerberg. Er übernimmt Haus und Grundstück von der Kommunalverwaltung Schleiden zum Freundschaftspreis von 10.000 DM, rückzahlbar in Jahresraten von 1.000 DM ohne Verzinsung.
Von Ameln hatte seit 1937 in einer Jagdhütte am Urftsee gelebt und dort eine Kleintierzucht betrieben. Später war er aus Wollseifen vertrieben worden, als nach Ende des Zweiten Weltkrieges das Dorf durch britische Streitkräfte geräumt wurde, um auf dem umliegenden Gelände den Truppenübungsplatz Vogelsang anzulegen.
Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit Ziegen- und Hühner-Haltung sowie einer "Bockstation" zum Decken der Ziegen im Umfeld von Kall. Seinen Zeitgenossen gilt er als Sonderling und erhält den Spitznehmen "Bitzenkönig" (= Ziegenkönig). Auf eigene Kosten lässt er das Haus ans Strom- und Telefonnetz anschließen.

Als Beruf gibt von Ameln "Landwirt" an und tritt auf "Friedenskongressen" in diversen Ostblock-Ländern auf. 1953 war er nach einem Aufenthalt in Prag sogar Gast der Volksrepublik China. Er spricht im tschechischen und ostdeutschen Rundfunk und organisiert zahlreiche Reisen von Delegationen in die damalige Sowjetzone.
In den "Aachener Nachrichten", einer Regionalzeitung, ist er fast wöchentlich mit Leserbriefen vertreten, in denen er gegen Imperialismus und Kapitalismus polemisiert. Um seiner Politik ein größeres Gewicht zu geben, kandidiert er 1953 im "Bund der Deutschen" für den Bundestag und 1954 für den Landtag in NRW, allerdings ohne ein Mandat zu erlangen.
Mehr Erfolg ist von Ameln bei seiner langjährigen Kampagne um eine Entschädigung für die Vertreibung der Wollseifer Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg beschieden. Viele Jahre dauern die Auseinandersetzungen, bei denen er in Versammlungen wortgewaltig einerseits gegen die lokalen Behörden, andererseits gegen die Nutzung des Truppenübungsplatzes Vogelsang durch die Engländer (bis 1950) und Belgier wettert. Für diesen Einsatz erhält er regelmäßig Beifallstelegramme seiner Freunde aus dem Arbeiter- und Bauernstaat. Bittprozessionen, die ständigen Protestversammlungen und die Initiative des Landtags führen letztlich zu einer Entschädigung der Vertriebenen.

Burg Vogelsang

2005: Ein großer persönlicher Triumph wäre für Wilhelm von Ameln die Aufgabe des Truppenübungsplatzes Vogelsang und seine anschließende Umwandlung zum ersten Nationalpark für Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2005/2006 gewesen. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits ein Vierteljahrhundert tot. Anfang der achtziger Jahre ziehen seine Erben in ein Kaller Neubaugebiet und teilen Haus Wackerberg in mehrere Ferien-Apartments auf, bevor sie das Anwesen schließlich verkaufen.
1985/86 wird das Haus komplett saniert und erhält in den folgenden Jahren eine eigene Wasserversorgung (Tiefbrunnen) und -entsorgung (unbelüfteter Klärteich). Beim  Orkan "Wiebke", der in der Nacht auf den 1. März 1990 mit einer Geschwindigkeit von über 200 km/h West- und Mitteleuropa überquert, bleibt das Haus selbst unbeschädigt, während auf dem Wackerberg große Waldflächen umknicken und für die nächsten Tage praktisch alle Wege unpassierbar machen.

Toreinfahrt Haus Wackerberg

Quellen: F.A. Heinen, Schleiden; Hubert Püth, Kall; Wikipedia