A m 9. März 1994 soll sich Erwin M. (Christoph Waltz) vor dem Amtsgericht Euskirchen dafür verantworten, dass er seine Freundin Lena halb totgeschlagen hat. Der gelernte Installateur war - zur allgemeinen Belustigung der anderen Anwesenden - mit Lackmantel, Lacklederstiefel, Stirnband, Sonnenbrille und einer Knoblauchkette um den Hals vor Gericht erschienen.
Er hat Einspruch gegen einen Strafbefehl über 7.200 Mark eingelegt, aber der wird abgelehnt.
Jetzt flippt Erwin M. endgültig aus: Wild um sich schießend, tötet er sieben Menschen und verletzt acht weitere schwer, bevor er sich selbst in die Luft sprengt.

Tag der Abrechnung – Der Amokläufer von Euskirchen ist ein dokumentarisches Filmdrama des Regisseurs Peter Keglevic, das wenige Monate nach der eigentlichen Tat als RTL-Produktion gedreht und gesendet wurde.

Amtsgericht

Der Gummistiefel-Killer

Der kleine Erwin ist schon als Kind ein Außenseiter und ein Einzelgänger. Er wird von seinen Mitschülern entweder ignoriert oder gehänselt, von seinem Vater, einem Schuster, ständig geschlagen und von seiner Mutter abweisend behandelt.
Sein sehnlichster Kindheitswunsch, ein paar eigene Gummistiefel zu besitzen, wird später zur Perversion. Er entwickelt eine sexuelle Vorliebe für Gummistiefel und eine Leidenschaft, Frauen in Gummistiefeln zu fotografieren oder zu filmen. Die Boulevardpresse bezeichnet ihn nach der Tat als den "Gummistiefel-Killer" von Euskirchen.

Musste es soweit kommen?

Sein zweites Hobby sind seine Waffen, die ihm ein Gefühl der Sicherheit geben. An seinem Arbeitsplatz als Busfahrer beim Regionalverkehr Köln fällt er auf, weil er ständig eine Waffe mit sich führt. Sein Chef verlangt daraufhin von ihm, dass er sich einem psychologischen Gutachten unterzieht. Der Arzt diagnostiziert eine schwere psychische Störung. Eine langjährige Therapie wäre nötig, doch Erwin hält sich selbst für gesund und alle anderen für krank.

Nach einem Streit bedroht er seinen Chef, der zur Polizei geht und davor warnt, dass Erwin im Affekt von seinen Waffen Gebrauch machen könnte. Doch auf dem Revier stößt er auf taube Ohren...

Christoph Waltz

Vor dem "Tag der Abrechnung" hat Christoph Waltz (* 4. Oktober 1956 in Wien) schon bei zwei Dutzend deutschen Fernsehfilmen und -Serien mitgespielt, darunter ein "Tatort" und ein "Derrick", zweimal "Der Alte" und "Ein Fall für Zwei".

Weltweite Bekanntheit erlangte er durch seine schauspielerischen Darstellungen des SS-Standartenführers Hans Landa im Film Inglourious Basterds (2009) und des Kopfgeldjägers Dr. King Schultz in Django Unchained (2012), beide unter der Regie von Quentin Tarantino.
Für beide Rollen erhielt Waltz jeweils den Oscar als bester Nebendarsteller und mehrere andere Auszeichnungen.

Filmkritik

• Sicher, der Film ist jetzt nicht großes Kino, aber dafür bietet er großartige Schauspieler (Waltz, Redel, Froboess), eine überraschend behutsame Inszenierung und eine packende Geschichte.
Filmtipps.at

• Verstörende Lebensgeschichte eines Verlierers
Cinema

• Fantastische Darsteller in einer erschütternden Geschichte: Wenn man den Film, den RTL produziert hat, mit aktuellen Programmen vergleicht, kommen einem die Tränen. Darsteller und Dramaturgie stellen die Kategorie "Internationale Klasse" dar.
Skanni

• Christoph Waltz spielt die Hauptrolle so gut, dass man Gänsehaut bekommt.
Feldhase

Bewertung:   7,3/10  IMDb


*** Euskirchen ***

Die Kreisstadt am Rand der Nordeifel mit annähernd 60.000 Einwohnern war bis Anfang der sechziger Jahre ein Zentrum der Textilindustrie. In der ehemaligen Tuchfabrik Müller - nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Industriemuseum wieder zum Leben erweckt – sieht es so aus, als hätten die Arbeiter gerade erst die Maschinen verlassen.
Stolz ist man in Euskirchen auch auf das eigene Stadtmuseum, das zu einer Zeitreise von den Römern bis ins 21. Jahrhundert einlädt und die historische Stadtmauer baulich integriert.

Panorama Euskirchen

Historisch interessierte Besucher freuen sich über insgesamt zwölf (Wasser-)Burgen im Stadtgebiet, die auf der 45 Kilometer langen Euskirchener Burgenrunde von außen besichtigt werden können.

Karibik-Feeling in Euskirchen: Ein Becken umrandet mit mehr als 500 Palmen, eine Sauna mit Blick auf ein Riesenaquarium, das Dach zirka 200 Tonnen schwer, bei schönem Wetter geöffnet, auf einer Fläche von 18.000 qm, umhüllt von einem regelrechten Glaspalast.
Mit diesen Superlativen eröffnete Ende 2015 eines der größten Spaßbäder Europas. Die Kosten von annähernd 60 Mil. Euro stemmte der Investor der "Thermen und Badewelt" Josef Wund, der vergleichbare Anlagen bereits erfolgreich in Süddeutschland betreibt.

Bewertung:   4,2/5  Tripadvisor