E in junger Mann (Friedrich Mücke) erwacht mit Platzwunde am Kopf auf einem Weinberg aus der Bewusstlosigkeit. Er weiß nicht wie er hierher kam, oder wer er ist - ein Fall von schwerer Amnesie.
Über ihm, in den Ästen der Weinreben, hängt die Leiche einer Frau. Völlig desorientiert stolpert er den Hang hinunter ins nächste Dorf. Als er mit Helfern zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden.
Zu seinem Entsetzen begegnet ihm die vermeintliche Tote lebendig im Dorf, sie ist die Weinkönigin des kleinen Ortes Kaltenzell (= Mayschoss an der Ahr).

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Leicht blutig im Abgang

Als die junge Frau am selben Abend tatsächlich verschwindet, beginnt der Held nachzuforschen – und stößt auf zahlreiche Geheimnisse und menschliche Abgründe in der Dorfgemeinschaft.
Am Ende der ersten Folge ist die Weinkönigin dann doch tot und hängt im Weinberg. So gerät der Mann ohne Gedächtnis unter Tatverdacht und sucht nicht nur nach seiner Identität, sondern – neben zwei Kommissaren – auch nach dem Mörder.
Viel Kunstnebel: Mit Horror-Effekten, Mystery-Elementen und surreal anmutenden Szenen geht der Mann auf eine geheimnisvolle Reise in die Vergangenheit.

Dreharbeiten

Wer hat die Weinkönigin ermordet? Das 1100-Seelen-Nest Mayschoß an der Ahr hat sich in einen Drehort verwandelt.
Traumhafte Bedingungen für eine albtraumhafte Story: Als sich der Novembernebel lichtet, bricht die Sonne für einen Moment hinter den Wolken durch, und sofort erglühen die Weinberge in goldenem Oktobergelb.
Überall stehen die Autos der Filmleute im Weg, und unten an der Ahr haben sie Buden aufgebaut für ein Weinfest. 48 Drehtage hat Regisseur Jan Martin Scharf angesetzt, um für den Pay-TV-Sender TNT den zweiten Versuch einer TV-Serie zu realisieren, einen Mysterykrimi.
Die Produktionskosten werden mit rund 3,5 Millionen Euro angegeben, dazu gibt es einen Zuschuss der Film- und Medienstiftung NRW in Höhe von 600.000 Euro. Die Kritiker sind überwiegend angetan, und so erhält "Weinberg" 2016 eine Reihe von Auszeichnungen, darunter eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme-Preis.

Ahrkreuz

Filmkritik

• Man sieht „Weinberg“ in jeder Sekunde an, dass hier Geld in die Hand genommen wurde. Die Effekte wirken nicht billig, die Bilder sind prägnant und pfiffig. Dieses Dorf zieht den Zuschauer in den Bann, wenn die Macher sechs Folgen lang Geheim­nisse, Schuld und Tote ausgraben.
Volker Bergmeister, Tittelbach.tv

• Etwas zu viel Kunstnebel kriecht über die Weinhänge und das Kopfsteinpflaster der trostlosen Dorfgassen; etwas zu viele bedeutungsschwangere Blicke werfen sich die Protagonisten zu, um Spannung zu suggerieren, die gar nicht da ist.
David Steinitz, SZ

• "Twin Peaks" auf Spätburgunder: Der Mystery-Thriller "Weinberg" um ein verwunschenes Winzernest setzt neue deutsche Fernsehstandards.
Christian Buß, Spiegel Kultur

• Das deutsche Fernsehen kann nur Standard-Krimis, Krankenhaus-Dramen und billige Kopien von großen Vorlagen? Nein, das stimmt nicht und "Weinberg" ist dafür nicht der beste, aber ganz klar ein sauberer Beweis.
Moviebreak.de

Bewertung:   6,9/10  IMDb


*** Das Ahrtal ***

Kelten, Germanen, Römer, Grafen, Erzbischöfe und Franzosen gaben sich im Ahrtal die Klinke in die Hand - und seit über hundert Jahren auch die Touristen.

Dernau Panorama

Wohl bekomm´s!

Auf den Weinbergen wachsen einige der besten Spätburgunder Deutschlands und das hat seinen Grund: Hier gedeihen die Reben auf Schieferböden - verbunden mit einem fast mediterranen Mikroklima. Die Ahr ist mit rund 80 Prozent roten Rebsorten das größte geschlossene Rotweinanbaugebiet Deutschlands.
Seien es Weinlounges, Straußwirtschaften, Weingüter oder Wein-Restaurants - jeder Ort im Ahrtal bietet im Herbst Weingenuss im malerischen und gemütlichen Ambiente.

Weinlese

Mittelalter zum Anfassen

Die mittelalterliche Stadtmauer von Ahrweiler mit Wallgraben, Toren und Türmen aus dem 13. Jh. ist vollständig erhalten. Malerische Fachwerkhäuser können stressfrei in der autofreien Altstadt besichtigt werden, darunter das Wolffsche Haus aus dem Jahr 1621. Der Marktplatz wird durch die erste frühgotische Hallenkirche des Rheinlands, St. Laurentius (ab 1269), und das alte Rathaus (Spätrokoko, 1778) geprägt.

Kalter Krieg für Touristen

Der Regierungsbunker mit seinem 17 Kilometer langen Tunnelsystem sollte während des Kalten Krieges im Falle eines Atomschlages rund 3000 ausgewählten Regierungsvertretern als Ausweichsitz dienen. Nach seinem fünfjährigen Rückbau wurden die erhaltenen Reste des einst geheimen Bauwerkes am 1. März 2008 auf nur 200 Metern der Öffentlichkeit als Dokumentationsstätte Regierungsbunker zugänglich gemacht.

Am Ostportal des Silberbergtunnels wurde ein Freilichtmuseum mit Gedenkstätte eingerichtet, die an die „Stadt im Berg“ erinnert, in der die Einwohner der Stadt während der Bombennächte des Zweiten Weltkrieges Zuflucht fanden.

Regierungsbunker

Nonnen adieu

Eine weitere Sehenswürdigkeit nahe Ahrweiler ist das Kloster Kalvarienberg. Das im Jahre 1630 errichtete Kloster wurde seit 1838 von einem Ursulinenorden geführt, musste aber 2017 wurde aus Altersgründen, Nachwuchsmangel und wegen schlechter wirtschaftlicher Lage geschlossen werden.

Die große Flut

Nach dem 14. Juli 2021 ist an der Ahr nichts mehr so wie früher. Der historische Pegel des sonst eher beschauliche Flusses war nach tagelangem Starkregen von 3,21 Meter auf über 7 Meter gestiegen - die Ahr hatte alle Ortschaften überschwemmt und auch das mitgerissen, was gemeinhin als niet- und nagelfest gilt, darunter fast 500 ganze Gebäude.
In dieser Nacht sterben an der Ahr fast 140 Menschen; tausende fliehen aus ihren Häusern und finden sie später verwüstet vor. Insgesamt sind mehr als 40.000 Einwohner der Region unmittelbar von den Schäden betroffen. Viele Ortschaften sind tage-, manchmal wochenlang von der Strom- und Frischwasser-Versorgung abgeschnitten, das Telefonnetz ist zusammengebrochen, zunächst auch das Mobilfunknetz.
Die IHK schätzt die finanziellen Verluste allein für die Unternehmen auf über eine halbe Milliarden Euro, da sind die Schäden an Straßen, Brücken und öffentlichen Einrichtungen noch gar nicht eingerechnet.

Ahrflut

Weinstuben, Restaurants und Hotels, die gerade erst nach den Schließungen der Corona-Pandemie wieder an den Start gegangen sind, müssen ganz von vorne anfangen: Nach dem Entfernen des Schlamms, der Böden und der zerstörten Inneneinrichtung steht oft nur noch der Rohbau, Terrasse und Garagen sind weggespült.
In Bad Neuenahr hat es Kurklinik und Spielbank gleichermaßen erwischt.

Die Solidarität für die Opfer ist groß: Von überall aus Deutschland fahren Freiwillige an die Ahr, darunter viele Handwerker, die bei den Aufräumarbeiten helfen. Bund und Länder stellen einen Hilfsfonds in Höhe von 30 Milliarden Euro auf die Beine.
Alle Betroffenen sind sich einig: "Wir bauen das Ahrtal wieder auf!"

Bewertung:   4,6/5  Tripadvisor

Krimi-Serie

TNT    2015