D ie Flammen züngelten, der Dachstuhl barst, und mit dem Qualm im Nachspann verbreitete sich am Sonntagabend im ersten Kanal ein schlimmer Verdacht: Hatte, als die Kapelle im Eifelwald farbenfroh in Asche sank, wieder Graf Brosch (Paul Dahlke) seine frevelnde Hand im Spiel?

So dramatisch beginnt der Spiegel-Artikel "Kein schöner Land" über den TV-Zweiteiler "Die Stadt im Tal" unter der Regie von Wolfgang Petersen.
Die Handlung spielt in der fiktiven Kreisstadt Lugstadt (= Monschau), der Stadt im Tal. Graf Brosch (= Paul Dahlke), alteingesessener und einflussreicher Unternehmer der Stadt, plant ein umfangreiches Immobilienprojekt im Stadtwald, das vom Bürgermeister und dessen Mehrheitsfraktion im Stadtrat abgelehnt wird.
Unterstützt wird die Ablehnung des Projekts von einer Bürgerinitiative, die sich aber gleichzeitig auch gegen den Bürgermeister wendet. Der will mit seinem Bebauungsplan die Sanierung der Innenstadt voranbringen, die es Graf Brosch wiederum ermöglichen würde, dort Wohnraum in Geschäftsräume umzuwandeln.
Am Beginn des ersten Teils treten übrigens Mariele und Peter Millowitsch gemeinsam auf dem Abiturball als Gymnasiasten auf.

Monschau

Dreharbeiten

Der WDR hat mit einem TV-Zweiteiler ein entlegenes Provinzstädtchen groß ins Gespräch gebracht. Im 170-Minuten-Film »Die Stadt im Tal« diente Monschau, die umwaldete, malerische Eifelstadt nahe der belgischen Grenze, als Kulisse für den fiktiven Ort Lugtal, in dem korrupte Kommunalpolitiker, auf rechts drehende Linke und skrupellose Unternehmer hausen.
Monschauer Bürger machten als Statisten mit. Der Einsatz lohnte sich: Schon am Tag nach der Sendung des ersten Film-Kapitels registrierte das Fremdenverkehrsamt eine »enorme Nachfrage« nach Monschau-Prospekten, Hotel- und Pensionsverzeichnissen. Die Zahl der am Urlaubsort Monschau interessierten Bundesbürger stieg um das Fünffache.

Filmkritik

• Stimmenkauf und Kinokrise, Frust der Lokalredakteure und Öde der Provinz auch im ehelichen Bett - nichts lässt der Autor aus, häuft es in dieser kleinen Stadt zu einem Schurkenstück, gegen das Courths-Mahlersche Intrigen wie subtile Seelendramen wirken.
Süddeutsche Zeitung

• Mag sein, daß der Stoff, richtig zugeschnitten, für einen lebensnahen wie unterhaltsamen Aufklärungsfilm über Sanierungsprobleme einer Kleinstadt gereicht hätte. Vielleicht wäre gar eine Groteske ‚Die deutschen Kleinstädter '75‘ dabei abgefallen.
Klaus Umbach, Der Spiegel

Bewertung:   6,5/10  IMDb

Der Regisseur

Wolfgang Petersen gilt das Genie unter den deutschen Nachkriegsregisseuren, der es bis nach Hollywood geschafft hat - inzwischen mit dem Recht auf den "Director's Cut" (das letzte Sagen über den Film). Das steht sonst nur den Bossen der Filmgesellschaften zu.
In Deutschland ärgerte sich Petersen über Kabelträger und Kulissenschieber, die nur eins im Kopf haben: Ihre gewerkschaftlich verbürgten Pausen und Überstunden­vergütungen.

Petersen (* 14. März 1941) stammt aus Emden in Ostfriesland, im Mediengeschäft eher bekannt als Geburtsort von Komikern wie Otto oder Karl Dall.
Vor der "Stadt im Tal" hatte er schon eine Reihe von Filmen fürs Fernsehen inszeniert, darunter sechs Tatort-Folgen für den NDR. Die Folge "Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski und Christian Quadflieg ist bis heute der zweiterfolgreichste Tatort überhaupt.

Anfang der achtziger Jahre gab es für Petersen zuerst in Deutschland einen weiteren Karriersprung ("Das Boot", "Die unendliche Geschichte"), 1984 rief dann Hollywood.


*** Monschau ***

ist mit seiner historischen Altstadt und der imposanten Hecken- und Vennlandschaft die Top-Destination für Belgier und Holländer in der Eifel. Beim Bummel durch die verwinkelten Gassen der Altstadt und hinter den romantischen Fachwerkfassaden erwartet den Besucher ein vielfältiges Kunst-, Kultur- und Museenangebot. Die Stadt ist Mitglied im Arbeitskreis Historische Stadtkerne Nordrhein-Westfalens und darf sich seit 1996 Luftkurort nennen. In der näheren Umgebung sind zahlreiche Bunkerruinen und Panzersperren des ehemaligen Westwalles zu finden.

1198 wurde Monschau als Mons Ioci zum ersten Mal erwähnt, 1352 bekam die Siedlung Stadtrechte. Die Herzöge von Limburg hatten zu dieser Zeit die Monschauer Burg bereits ausgebaut. Am Ende des 16. Jahrhunderts begann die Ära der Monschauer Feintuchproduktion, die den Wohlstand der Stadt in den nächsten Jahrhunderten begründete. Davon zeugt heute u.a. das »Rote Haus«, das gleichzeitig Produktionsstätte und Wohnhaus der Textildynastie Scheiber war.

Touristen mit kulinarischen Präferenzen besuchen die historische Senfmühle, die Brauerei Felsenkeller und die Caffee-Rösterei Wilhelm Maassen, die nicht nur authentische Mitbringsel feilbieten, sondern auch einen Blick auf Produktion erlauben.

1971 verpackte das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude die Haller-Ruine und Teile der Monschauer Burg. Das "CHRISTO projekt monSCHAU" stellt eine der ersten großen Open-Air-Verhüllungen der Künstler dar - und war bei den Einwohnern seinerzeit heftig umstritten!

Mit der WDR-Produktion »Die Stadt im Tal« startete im selben Jahr Monschaus Karriere als führender Filmschauplatz der Eifel.

Bewertung:   4,6/5  Tripadvisor