D as Bein, das aus den Eternit-Platten auf der Bauschuttdeponie in Hürth bei Köln herausragt, ist dem Baggerfahrer erst nach einer ganzen Weile aufgefallen. Er weiß, wer den Müll abgeladen hat, und ruft Ralf S. an: »Deinen Sch... kannst Du irgendwo anders entsorgen.« Erst nach einer Stunde kommt er auf die Idee, zusätzlich die Polizei zu informieren. Für Ralf S. wird es eng.

Leichenwagen

Eine Art Hinrichtung

findet Mitte Januar 2012 im Schrottkeller des Sötenicher Autohauses statt, das der gelernte KFZ-Mechaniker Ralf S. von seinem Vater übernommen hat. So sieht es jedenfalls der Aachener Richter, der ein paar Monate später Ralf S. zu lebenslanger Haft verurteilen wird. Ralf habe den Mord geplant, sei weder krank noch geistesgestört, sondern bei klarem Verstand. Irgendwelche mildernde Umstände kann der Richter nicht erkennen.
Schon der erste aufgesetzte Schuss mit dem bereitgelegten Jagdgewehr ist tödlich, dringt durch die linke Achsel, durch beide Lungenflügel und zerreißt alle vier Herzkammern. Das Opfer (»mein bester Freund«) ist nicht sofort tot, schleppt sich noch einige Stufen der Kellertreppe herauf. Ralf folgt ihm, setzt den Lauf des Jagdgewehrs in den Nacken und drückt ein zweites Mal ab.

Schrotthandel

Das Opfer, Johann P., den alle „Schabo“ nennen, wächst im Wohnwagen auf und entstammt einer Roma-/Sinti-Sippe. Er wird früh straffällig wegen Diebstahls und Körperverletzung und muss zweimal Haftstrafen absitzen. Jetzt verdient er sein Geld im Schrotthandel und ist mit Ralf S. eng befreundet. Die beiden machen Geschäfte miteinander – KFZ und Schrott, das liegt nicht allzu weit auseinander.
Johann pumpt Ralf immer wieder an, und der leiht sich das Geld von Vater und Schwester. Zuletzt hat er über 130.000 Euro private Schulden, aber Johann will mehr: 30.000 Euro zum Kauf eines LKW, mit dem der Schrott besser zu transportieren ist. Alternativ könne man auch gemeinsam einen Juwelier überfallen.
Jetzt reicht´s Ralf, er sieht keine andere Möglichkeit, als sich den Freund mit seinen ständigen Geldforderungen vom Hals zu schaffen.

„Echte Fründe ston immer zesamme“

texten die Jungs von der kölschen Band „De Höhner“ in den achtziger Jahren. Zu Karneval wird das Lied auch in der Eifel gerne gesungen, und Ralf hat viele Freunde in der Dorfgemeinschaft – er ist immer ein hilfsbereiter, anständiger Kerl gewesen.
Seine Frau und eine frühere Freundin putzen nach der Tat die Werkstatt, entfernen die Blutflecken, wickeln die Leiche in Planen und verstauen sie auf einem Anhänger.

Anhänger

Der Bekannte vom Gartencenter hat nichts dagegen, dass Ralf den Anhänger mit dem Toten dort eine Weile abstellt. Ein anderer Freund zersägt die Jagdflinte mit einem Winkelschneider und versenkt die Teile im Rursee.
Die Helfer werden später zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt.

Die Redakteure beim WDR

überlegen, den Plot für ein Drehbuch der Serie »Mord mit Aussicht« umzuarbeiten. Die Rolle der Kommissarin Sophie Haas müsste noch hineingeschrieben werden, alle anderen Kriterien wie eine absurde Handlung und skurile Protagonisten werden spielend erfüllt. Dann entscheidet sich der Sender aber für eine Dokumentation, die 2015 unter dem Titel »Leiche im Anhänger: Wie in der Eifel ein Mord vertuscht wurde« ausgestrahlt wird. Darin kommen die Schwestern von Täter und Opfer ausführlich zu Wort, aber auch die willigen Helfer vor Ort.


*** Sötenich ***

ist ein Ortsteil der Gemeinde Kall, hat etwa 1.000 Einwohner und wurde zu Zeiten der Römer unter dem Namen „Suetoniacum“ gegründet. Eine 2.000jährige Geschichte ist für die Eifel noch nicht einmal etwas Besonderes.

Zu Fuß erreichen die Sötenicher den Kaller Bahnhof in einer viertel Stunde und von dort aus mit dem Zug den Kölner Hauptbahnhof in 60, Trier in 100 Minuten – wirklich abgelegen ist das Dorf also nicht.

Sötenich Panorama

Zu den touristischen »Highlights« zählen die Reste der römischen Wasserleitung, die Köln mit frischem Eifelwasser versorgte, und die Ruine der Stolzenburg, oberhalb des Urfttals am Römerkanal-Wanderweg gelegen.

Das auffälligste Bauwerk in Sötenich ist allerdings das alte Zementwerk, das in den letzten Jahren mehrfach den Beisitzer gewechselt hat und nur noch eine Handvoll Arbeitsplätze bietet.