I n Zeitraffer zieht der Sternenhimmel über Baumkronen hinweg, Sämlinge entfalten binnen Sekunden ihre Blätter, Pilzköpfe bohren sich durch Laub.
Drohnen fliegen über Nadelwälder voller braungelber Bäume, die die Dürre und Hitze der vergangenen Sommer nicht verkraftet haben. Dazu läuft stets sphärische Musik.

Naturfilm oder Selbstdarstellung?

Der Dokumentarfilmer Jörg Adolph führt Regie und begleitet den Autor nach Schweden zum ältesten Baum der Erde, zu den Demonstrationen im Hambacher Forst oder ins kanadische Vancouver, wo mehrere Betriebe nach Ideen für einen neuen Umgang mit dem Wald suchen.
Ein paar schöne Naturaufnahmen sind schon dabei herausgekommen; viele Kinogänger waren dennoch enttäuscht. Sie hatten sich neue Erkenntnisse, Details und Fakten zum Thema gewünscht. Stattdessen bekamen sie im wesentlichen die Selbstdarstellung des Peter Wohlleben präsentiert, der immer wieder in Großaufnahme seinen Bestseller anpreist.
Ganz privat sieht man den Popstar unter den Förstern am Schreibtisch seine neuesten Manuskripte verfassen oder in der Badewanne entspannen. Mit einer Gruppe Kindern spaziert Peter Wohlleben freudig strahlend durch den Wald, einer ausländischen Touristengruppe erklärt er das Sozialverhalten von Bäumen, und bei einer Autogrammstunde in Polen wird er für seine Bücher gefeiert.

Der Autor

Peter Wohlleben, geboren am 3. Juni 1964, ist Deutschlands bekanntester Förster. Statt nach seinem Abitur Biologie zu studieren, bewarb er sich auf Anraten seiner Mutter bei der Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz, die ihn als Forstinspektor anstellte.
Nach einem - für ihn vermutlich eher langweiligen - Bürojob als Leiter eines Forstamts übernahm er 1991 als Förster ein Revier der Eifelgemeinde Hümmel, nicht weit entfernt von Adenau, und brachte es in die Gewinnzone zurück. Dort engagierte er sich für ökologische Waldwirtschaft u.a. durch Verzicht auf Kahlschläge und Monokulturen.
Darüberhinaus veranstaltete er Wanderungen für Touristen, organisierte Kurse für Schüler und bot ein Survival-Training für die Hartgesottenen unter seinen Fans an.

2007 begann seine zweite Karriere als Schriftsteller mit dem Buch "Wald ohne Hüter", dem im Jahresturnus weitere Titel folgten. Wohlleben hatte sich warmgelaufen (bzw.-geschrieben), als er 2015 den Bestseller "Das geheime Leben der Bäume" veröffentlichte, der 1,3 Millionen Mal verkauft und vier Jahre später verfilmt wurde.

Die Dreharbeiten

Um die Ideen von Wohlleben für den Film zu visualisieren, hat Constantin Film den Regisseur Jörg Adolph engagiert, der sich weniger mit Wald und Landschaft auskennt als mit der genauen Beobachtung von Menschen. Die beeindruckenden Naturaufnahmen steuert dann auch ein Spezialist bei, der Natur- und Tierfilmer Jan Haft.
Adolph wiederum hat Wohlleben eineinhalb Jahre an 50 Drehtagen begleitet, was eher ungewöhnlich ist - nicht nur in sein Revier in der Eifel, sondern auch nach Schweden und Kanada.
Im Frühjahr 2019 wurde in Kronenburg gedreht, wo Rückepferd "Wotan" seine Muskeln spielen lässt und einen sechs Meter langen, mehrere hundert Kilo schweren Baumstamm durch den Wald zieht. Für den 900 Kilo schwere „Blauen Belgier“ aus dem Eifeldorf Udenbreth ist das eine der leichteren Übungen, schließlich trägt er den Titel eines amtierenden Europameisters im Holzrücken.

Filmkritik

• Das geheime Leben des Peter Wohlleben - dieser Titel wäre für den Film passender gewesen.
Denn man folgt Herrn Wohlleben auf Schritt und Tritt. In nahezu jeder Lebenslage. Mal begleiten wir ihn als Zuschauer bei einem Radiogespräch, mal in seiner Waldakademie.

Julian Gröber

• Ich hatte mehr erwartet: Der Film kann sich nicht entscheiden zwischen Talk Show, Naturfilm oder politischer Film.
bücherwurm

• Der Biotop Wald wird in faszinierenden Aufnahmen gezeigt, beeindruckend vor allem die Zeitraffer des Pflanzenwachstums. Spannende und kenntnisreiche Erläuterungen vom Autor Peter Wohlleben, der allerdings zu oft ins Bild gerückt wird. Mehr Wald wäre mir lieber gewesen.
R. Dierichs

Bewertung:   7,0/10  IMDb


*** Kronenburg ***

gehört zur Gemeinde Dahlem am südwestlichen Zipfel von Nordrhein-Westfalen.

Der Burgort wurde 1277 erstmals urkundlich erwähnt; einst herrschten hier die Ritter von Kronenburg, später kamen die Blankenheimer, dann die Manderscheider und noch ein paar andere.
Die Burg verfiel im 18. Jahrhundert, die Burgsiedlung rund um die alte Wehranlage blieb dagegen erhalten, viele Gebäude sogar seit Jahrhunderten unverändert in ihrem äußeren Erscheinungsbild.

Heute haben sich in den Fachwerkhäusern eine Reihe von Kunstgalerien und Kunstgewerbeläden eingerichtet. Im Tal lockt der Kronenburg See mit diversen Wassersportangeboten und dem Eifelpark mit Ferienhäuser.

Im Ortsteil Kronenburgerhütte an der Kyll stehen nur eine Handvoll Häuser, dafür aber ein historisches Ensemble, benannt nach einer irischen Heiligen -
- die Brigidakapelle aus dem Jahr 1734 mit einem barocken Hochaltar
- und die Brigidabrücke, die zeitgleich erbaut und 2016 mit Födermitteln der NRW-Stiftung aufwändig saniert wurde.
Beide Baudenkmäler wurden unzählige Male von Künstlern auf Leinwand gebannt und dienten als Kulissen für die TV-Serie "Der schwarze Graf".

Der Name der Siedlung geht auf eine Eisenhütte aus der frühen Neuzeit zurück, deren Produkte des täglichen Bedarfs nicht nur in der Region, sondern bis in die Niederlande verkauft wurden.

Bewertung:   4,2/5  Tripadvisor

Dokumentation

Constantin  2019