H annah (Caroline Peters), die Frau von Kommissar Bäumer (Jörg Schüttauf), ist Kleptomanin und gemiedene Außenseiterin in der provinziellen Eifelkleinstadt. In der Dorfbevölkerung kennt man sich. Und jeder sorgt dafür, dass es auch so bleibt. Briefträger Enno (Matthias Brandt) erweitert seine Kenntnisse per Fernglas, Rita Frings hält mehr von Klatsch und Tratsch oder schreibt anonyme Briefe. Alle sind entsetzt, als der junge Kripobeamte Fischer (Hinnerk Schönemann) auf einer einsamen Landstraße tödlich verunglückt.

Ein Reh habe den Unfall verursacht - so jedenfalls steht es im Polizeibericht, und so erzählt es auch der Computerfreak Harald, der angeblich Zeuge des Unfalls war. Einzig Arnie, sieben Jahre alt, der während der Osterferien bei seinem Opa Frings auf dem Bauernhof zu Besuch ist, glaubt etwas anderes gesehen zu haben. Doch nur Hannah nimmt den kleinen Jungen ernst. Auch ihr Mann, Kommissar Bäumer, glaubt ihr nicht. Bis Arnie plötzlich spurlos verschwindet.

Drehbuch und Regie übernahm Isabel Kleefeld, Little Shark Entertainment (Köln) produzierte diesen Fernsehkrimi im Auftrag des WDR.

Der einzige Zeuge

Der einzige Zeuge

Der Film lehnt sich an den gleichnamige Roman von Maeve Carels an, erinnert aber auch ein wenig an "Witness" (Der einzige Zeuge), ein Hollywood-Thriller der Paramount Pictures aus dem Jahr 1985.
Darin heftet sich Polizei-Detektiv Harrison Ford an die Fersen (bzw. den Rockzipfel) der süßen Kelly McGillis, deren achtjähriger Sohn Zeuge eines Mordes an einem Polizisten geworden ist. Der besondere Reiz dieser Geschichte: Sie spielt größtenteils inmitten der "Amish People", einer Täufer-Sekte, deren Mitglieder in einigen US-Bundestaaten leben, untereinander "Pennsylveniadeutsch" sprechen und die meisten technischen Errungenschaften ablehnen.

Natürlich konnte das Umfeld nicht 1:1 auf die Eifel übertragen werden: Hier leben keine "Amish People", sondern höchstens ein paar versprengte Zeugen Jehovas und Freikirchler, und selbst die nutzen Smartphones.
Auch "Arnies Welt" ist gleichzeitig schlicht und enorm komplex. Vordergründig geht es um einen rätselhaften Autounfall. Hintergründig aber ist der Film ein Sittengemälde aus der Eifel, in dessen Mittelpunkt eine zerrüttete Ehe steht.
Für Hauptdarstellerin Caroline Peters ist es eine Art "Probelauf": Zwei Jahre später wird sie wieder in der Eifel antreten, in der erfolgreichsten deutsche TV-Serie "Mord mit Aussicht" als Hauptkommissarin Sophie Haas.

Der einzige Zeuge

Dreharbeiten

Mal wieder ein Kompliment für die Region: „Besonders die herbe Schönheit und Zersiedlung der Eifel haben uns davon überzeugt, hier zu drehen“, erklärt Isabel Kleefeld, die Regisseurin von "Arnies Welt". Und schließt dann gleich noch Schleidens damaligen Bürgermeister, Ralf Hergarten, in ihr Lob mit ein - der habe viele wichtige Kontakte für die Crew geknüpft.
Ein wesentlicher Teil der Dreharbeiten fand in Olef am Fuß des Wackerbergs statt, einem Ortsteil von Schleiden. Hier wurde der Friseursalon von Sabine Groß zum Café umgestaltet, die alte Olefer Schule diente als Polizeiwache.

Fast 20 Jahren zuvor wurde in Sabine Groß' Salon schon einmal ein Film gedreht, die deutsch-französische TV-Komödie "Minipli". Damals gehörte der Betrieb noch ihrer Mutter Elfriede Weimar, die sich furchtbar erschreckte, als plötzlich das Schaufenster zu Bruch ging. Aber die Fernsehleute sind ja gut versichert...
Ein paar Kilometer weiter, in der Nähe von Berg bei Mechernich, fand man den perfekten Drehort für die Inszenierung des dramatischen Autounfalls.

Filmkritik

• Regisseurin Isabel Kleefeld ("Schluss mit lustig!", "Königskinder") inszenierte nach eigener Vorlage einen ruhig erzählten TV-Film zwischen Provinzposse (vor allem durch die Überzeichnung der handelnden Personen) und Psycho-Krimi. Besonders gut: Matthias Brandt als Postbote.
Prisma

• Das Ensemble der durchweg liebevoll gezeichneten Figuren - die beiden gegensätzlichen Außenseiter im Zentrum der Geschichte genau wie die skurrilen Randfiguren - zieht einen ebenso in seinen Bann wie die emotionale und spannende Handlung bis hin zur überraschenden Schlusspointe.
Wunschliste.de

• In der tiefsten rheinischen Provinz ticken die Uhren einfach langsamer. Eine stimmungsvolle Musik (oft bloß akustische Gitarre oder Klavier) sorgt gemeinsam mit den sparsamen Dialogen dafür, dass der Film eine ganz eigene Atmosphäre entwickelt.
Kino-de

• Geniale Mischung aus Provinzdrama und Krimi, super gute Regie, sehr interessantes Drehbuch und klasse Darsteller. Ein Ausnahme-Fernsehfilm.
TV Spielfilm

Bewertung:   7,2/10  IMDb


*** Olef ***

ist ein Ortsteil von Schleiden und liegt in der Eifel im Kreis Euskirchen im südwestlichen Zipfel von Nordrhein-Westfalen. Die Kleinstadt (gut 13.000 Einwohner) hat zwei bedeutende Humanisten hervorgebracht, Johannes Sleidanus sowie Johannes Sturm, und war von 1829 bis 1971 Kreisstadt des eigenen Landkreises Schleiden, bis sie diesen Status im Rahmen einer kommunalen Neugliederung abgeben musste. Spät - aber nicht zu spät - hat sie sich für diesen Verlust revanchiert und nennt sich seit den zweitausender Jahren »Hauptstadt des Nationalparks Eifel«.

Schleiden Panorama

Die Grafen von Schleiden

Angesichts einer glanzvollen Geschichte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, von der noch ein imposantes Schloss (mit empfehlenswertem Restaurant) und die Schlosskirche zeugen, ist das zweifellos angemessen: So war Schleiden Mittelpunkt einer eigenen Grafschaft und Bestandteil des Herzogtums Luxemburg.

Industrie-Pionier

Die Nordeifel zeichnet sich durch bedeutende Erzvorkommen aus, die bereits Kelten und Römer angegraben haben. So konnten sich im Schleidener Tal bereits im 19. Jahrhundert eine Reihe metallverarbeitender Unternehmen ansiedeln, von denen die meisten jedoch im Laufe der Zeit ins Ruhrgebiet abgewandert sind. Dort war zwar kein Eisenerz, aber eine Menge Kohle zu holen, und die Infrastruktur auf dem Wasserweg (Rhein und Ruhr) und bei den Bahnanschlüssen deutlich besser ausgebaut.

In Olef war die Familie Inden vom Dorfschmied zum Metallfabrikanten aufgestiegen mit einem eigenen Produktionsunternehmen für "Fittinge" (Rohrverbindungsstücke) in Kall-Urft. Auch sie zog es nach Düsseldorf, in die Nähe des Ruhrgebiets; die Familie behielt aber ein Wochenendhaus im Schatten der Gemünder Kirche, ebenfalls ein Ortsteil von Schleiden.

Aus dieser Dynastie gingen zwei "Eifelmaler" hervor (Ernst und Rudolf Inden) und mehrere erfolgreiche Industrielle, darunter Alfred Inden. Der war nicht nur Großverdiener und - aus alter Verbundenheit - Sponsor der Olefer Kirchengemeinde, sondern auch ein passionierter Jäger.
Was lag also näher, als sich Anfang der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts aus dem Olefer Kirchenwald, der große Teile des Wackerbergs bedeckt, ein "Filetstück" herauszukaufen und dort ein repräsentatives Jagdhaus zu erreichten? Aber das ist eine andere Geschichte...

Oleftalbahn Panorama

Bahnromantik

Am Bahnhof Schleiden - und auf dem Dorfplatz von Olef - hielt die Oleftalbahn (Kall – Hellenthal); der regelmäßige Personenverkehr wurde jedoch 1981 durch die Deutsche Bundesbahn eingestellt. Seit 2006 wird der Verkehr privatwirtschaftlich als Museumsbahn in der Sommersaison weiterbetrieben, mit der Saison 2008 von der Rhein-Sieg-Eisenbahn. Ab 2010 verkehren die Züge wieder bis zum Endbahnhof Hellenthal, dabei kommt ein historischer MAN-Schienenbus zum Einsatz. So kann der Nationalpark Eifel auch per Bahn erreicht werden (Umsteigen in Kall) - was den Erlebniswert noch einmal steigert.
Ein besonderer Höhepunkt dieser Fahrt ist die Durchquerung von Olef - mitten über den Dorfplatz und zwischen den pittoresken Fachwerkhäusern hindurch!

Bewertung:   4,5/5  Tripadvisor