E s war einer der größten politischen Skandale in der frühen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland:
Am 23. Juli 1954 Juli strahlt der Ostdeutsche Rundfunk eine Tonbandaufzeichnung aus. Mit knarzender Stimme erklärt Otto John, der Gründungspräsident des (westdeutschen) Verfassungsschutzes, er sei freiwillig in den Osten übergelaufen.

In diesem spannenden Jahr spielt die TV-Serie "Bonn", die auf echten Begebenheiten des Kalten Krieges beruht. Im Mittelpunkt steht die fiktive 20-jährige Toni Schmidt (Mercedes Müller), die eine Stelle als Fremdsprachensekretärin im anderen deutschen Geheimdienst antritt, der "Organisation Gehlen" - heute aktiv unter der Bezeichnung "Bundesnachrichtendienst" (BND) und zuständig für die Auslands-Spionage.

Schlapphüte

Zwei Schlapphüte sind einer zuviel

Die ambitionierte junge Frau gerät zwischen die Fronten der beiden rivalisierenden Geheimdienste und entdeckt - wie könnte es anders sein - so nebenbei noch dunkle Geheimnisse der eigenen Familie und des Mannes, den sie liebt. Der scheint noch immer Mitglied einer NS-Geheimorganisation zu sein - das riecht nach Ärger!

Regisseurin von „Bonn“ ist Claudia Garde, die Idee stammt von Gerrit Hermans. Es entstehen sechs Folgen mit einer Länge von knapp 50 Minuten. Die Fernsehmacher versuchen, ein neues Serien-Genre aus der Taufe zu heben, den "zeitgeschichtliche Familienthriller".

Bewertung:   -/10  IMDb

Dreharbeiten

"Bonn" ist eine Produktion der Odeon Fiction GmbH (Produzent: Philip Voges) in Zusammenarbeit mit Wilma Film, Prag, im Auftrag der ARD. Schauplatz für die Dreharbeiten sind u.a. Tschechien, Bonn und Euskirchen.
„Man fühlt sich ein bisschen wie in Hollywood“, sagte dort ein Anwohner mit Blick auf die zahlreichen Produktionsfahrzeuge, in denen sich die Garderobe, das Catering und die Aufnahmeleitung befinden.
Gedreht wird vor allem in einem Haus, das ein wenig zurückliegt und nicht direkt einsehbar ist. „Wir haben ein Haus mit 1950er-Charakter gesucht“, berichtet ein Crew-Mitglied.

Dreharbeiten in Euskirchen

Otto John - Überläufer oder Entführungsopfer?

Seinen ersten (und spektakulärsten) Skandal erlebte das Bundesamt für Verfassungsschutz 1954. Der Gründungspräsident Otto John, während der Nazizeit im Umfeld der Widerstandskämpfer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg aktiv, brach im Juli 1954 mit einem alten Jugendfreund, dem Arzt Wolfgang Wohlgemuth, aus Westberlin in den östlichen Teil der Stadt auf. Ob John die Fahrt freiwillig antrat, ist bis heute ungeklärt. Er selbst erklärte später, er sei von dem Arzt betäubt und dann in die DDR verschleppt worden.

In Ostberlin trat John später vor die Presse und begründete seinen Wechsel in die DDR damit, dass immer mehr frühere Nationalsozialisten leitende Positionen im öffentlichen Dienst der Bundesrepublik übernähmen. Auch sei absehbar, dass die Militarisierung und Westbindung der Bundesrepublik sich unter Bundeskanzler Konrad Adenauer verschärfen werde. "Ich habe mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, in die DDR zu gehen und hier zu bleiben, weil ich hier die besten Möglichkeiten sehe, für die Wiedervereinigung Deutschlands und gegen die Bedrohung durch einen neuen Krieg tätig zu sein."

John wurde bis Dezember 1954 immer wieder vom sowjetischen Geheimdienst KGB in Moskau verhört. Der KGB, erklärte später einer seiner Mitarbeiter, habe John propagandistisch gegen Adenauers Kurs in Stellung bringen wollen. Das aber wollte John nicht mitmachen. Ende 1955 kehrte er aus Moskau erst in die DDR zurück und setzte sich dann mit Hilfe eines befreundeten Journalisten nach Westdeutschland ab. Dort aber war er nicht mehr willkommen.
Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Bis zu seinem Tod 1997 in Österreich bemühte sich John erfolglos um seine Rehabilitierung.

Gebäude des Verfassungsschutz

Von der Organisation Gehlen zum BND

Reinhard Gehlen (* 3. April 1902 in Erfurt; † 8. Juni 1979 in Berg am Starnberger See) leitete als Generalmajor der Wehrmacht die Abteilung Fremde Heere Ost (FHO), also die militärische Auslandsaufklärung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er mit dem Einverständnis der amerikanischen Besatzungsmacht einen Auslandsnachrichtendienst auf, die Organisation Gehlen, die 1955 von der Bundesregierung übernommen und 1956 in den Bundesnachrichtendienst (BND) umgewandelt wurde.

Aus den Akten der Organisation Gehlen hat der Historiker Ronny Heidenreich Überraschendes zutage gefördert. Der Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes habe vor dessen Gründung 1956 in der Sowjetisch Besetzten Zone (SBZ) extrem erfolgreich Agenten angeworben. So umfasste das Agentennetz 1953 mehr als tausend registrierte Zuträger,
In späteren Zeiten hielten sich die BND-Erfolge eher in Grenzen.


*** Euskirchen ***

Die Kreisstadt am Rand der Nordeifel mit annähernd 60.000 Einwohnern war bis Anfang der sechziger Jahre ein Zentrum der Textilindustrie. In der ehemaligen Tuchfabrik Müller - nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Industriemuseum wieder zum Leben erweckt – sieht es so aus, als hätten die Arbeiter gerade erst die Maschinen verlassen.
Stolz ist man in Euskirchen auch auf das eigene Stadtmuseum, das zu einer Zeitreise von den Römern bis ins 21. Jahrhundert einlädt und die historische Stadtmauer baulich integriert.

Panorama Euskirchen

Historisch interessierte Besucher freuen sich über insgesamt zwölf (Wasser-)Burgen im Stadtgebiet, die auf der 45 Kilometer langen Euskirchener Burgenrunde von außen besichtigt werden können.

Karibik-Feeling in Euskirchen: Ein Becken umrandet mit mehr als 500 Palmen, eine Sauna mit Blick auf ein Riesenaquarium, das Dach zirka 200 Tonnen schwer, bei schönem Wetter geöffnet, auf einer Fläche von 18.000 qm, umhüllt von einem regelrechten Glaspalast.
Mit diesen Superlativen eröffnete Ende 2015 eines der größten Spaßbäder Europas. Die Kosten von annähernd 60 Mil. Euro stemmte der Investor der "Thermen und Badewelt" Josef Wund, der vergleichbare Anlagen bereits erfolgreich in Süddeutschland betreibt.

Bewertung:   4,2/5  Tripadvisor