N ach seiner Flucht aus der DDR hat sich der Förster Poelzig (Joachim Rake) als Jagdaufseher im Westen der Republik niedergelassen.
Nebenberuflich hilft er den lokalen Polizeibehörden dabei, Wilderer, Schmuggler, Brandstifter und Umweltfrevler (auch die gab´s offensichtlich schon vor Gründung der Grünen!) aufzuspüren und dingfest zu machen.

"Lautlose Jagd" ist eine Vorabendserie der ARD aus den sechziger Jahren, gedreht in schwarz/weiß von der aurora television GmbH. Die insgesamt 26 halbstündigen Folgen wurden 1966/67 und 1970 ausgestrahlt, erstmals auch im Regionalprogramm des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

Dreharbeiten

Die Außenaufnahmen werden hauptsächlich in Hellenthal in der Nordeifel gedreht, einige Szenen auch in der Lüneburger Heide. Für die eingängige Titelmelodie sorgt die Jagdhornbläsergruppe Schleiden.
Professionale Tipps holen sich die Produzenten vom Revierförster Paul Losen­hausen und vom Falkner und Wildfotograf Horst Niesters.
Als Team organisieren die beiden 1965 die große Jagdausstellung in Köln, bei der Niesters für seine Fotos den ersten Preis des Deutschen Jagdschutz-Verbandes erhält. Beide verfassen über Jahre hinweg Berichte für Fachzeitschriften und diverse Bücher, wobei Losenhausen die Texte und Niesters die Fotos liefern.
Es folgten regelmäßige gemeinsame Rundfunksendungen bei Radio Luxemburg, Fernsehreportagen und -filme.
Losenhausen ist es auch, der nach der Gründung des Wildfreigeheges seinen Partner Horst Niesters als Falkner und Mitarbeiter für die Öffentlichkeitsarbeit empfiehlt.

Frustrierte Fans

Obwohl die letzte Ausstrahlung der Serie schon über ein halbes Jahrhundert zurückliegt, wird in einschlägigen Internet-Foren immer wieder nach Videoaufzeichnungen gefragt. Aber die gibt es nicht...
Der WDR, in dessen Archiv die Masterbänder lagern, hat wohl nie an eine Veröffentlichung auf DVD gedacht. Videorecorder waren Mitte der sechziger/Anfang der siebziger Jahren in Privathaushalten noch nicht verfügbar - daher also auch keine privaten Mitschnitte.
Kleiner Trost: Zur Serie erschien 1969 im Gersbach-Verlag ein Fernsehbuch unter dem Titel "Spuren im Moos" mit Setfotos aus der Fernsehproduktion, das heute noch vereinzelt antiquarisch angeboten wird. Die Autoren sind Rolf und Alexandra Becker, die selbst auch einige Drehbücher zur Serie verfasst haben.

Ältere Einwohner von Hellenthal erinnern sich an die Dreharbeiten: Einige der Schauspieler seien seinerzeit mit dem Bus angereist, andere wohnten im Hotel Lind. Unter diesem Namen firmiert heute noch ein Imbiss.

Bewertung:   8,7/10  IMDb

"Lautlose Jagd" für Eifel-Touristen

Das Duo Niesters/Losenhausen berät im übrigen nicht nur die Fernsehmacher beim Dreh in Hellenthal, sondern zeitgleich auch den deutsch-argentinischen Unternehmer Guillermo Staudt, der in der Eifelgemeinde groß investiert, in der die Wurzeln der eigenen Familie liegen:
Er gründet ein Wildfreigehege mit dem Alleinstellungsmerkmal "Greifvogelstation" und übergibt deren Leitung dem Falkner Horst Niesters. Als Staudt Mitte der siebziger Jahre das Interesse verliert, vermittelt wiederum Niesters den Verkauf an den arabischen Geschäftsmann Salem Ebrahim Al-Saman, um 1999 schließlich - zusammen mit zwei Freunden - selbst Eigentümer zu werden.
Niesters erwirbt sich durch seine Zuchterfolge - u.a. amerikanische Seeadler - und durch publikumswirksame Auftritte mit internationalen Politikern wie US-Präsident Ronald Reagan den Spitznamen eines "Daktari von Hellenthal" - seinerzeit eine bekannte Vorabendserie, die in zeitlicher Konkurrenz zur Sportschau manche Familienkonflikte provoziert.
Auf diese Weise gerät auch die Greifvogelstation immer wieder in die Schlagzeilen und beschert Hellenthal ein gleichbleibend hohes touristisches Interesse.

Nach dem Tod Niesters 2009 übernimmt seine Witwe Ute die Leitung der Anlage. Sie muss sich jetzt weniger mit prominenten Politikern herumschlagen als vielmehr mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Pandemie-Lockdowns.


*** Hellenthal ***

Zwei Burganlagen und ein Besucher-Bergwerk, ein Wildgehege mit Greifvogelstation, eine Talsperre und ein historischer Schienenbus - die Sehenswürdigkeiten der kleinen Eifelgemeinde (knapp 8.000 Einwohner) reichen locker für drei oder vier touristische Destinationen.
Ganz zu schweigen von den gut ausgebauten (Rad-)Wandertouren der Region, den Narzissenwiesen in Hollerath und den Wintersportangeboten am Weißen Stein - na gut, die Winter in der Eifel sind auch nicht mehr das, was sie früher einmal waren…

Dabei bildet bis heute nicht der Tourismus, sondern die metallverarbeitende Industrie in den Tallagen von Hellenthal und Blumenthal mit rund 1.500 Arbeitsplätzen das wirtschaftliche Fundament der Gemeinde.

Unter Tage

Mit ihren Erzvorkommen galt die Eifel schon in der Antike (Kelten, Römer) als eines der wichtigsten Abbaugebiete nördlich der Alpen; hier entwickelte sich die Keimzelle der deutschen Montanindustrie.
Das Bleierzbergwerk bei Hellenthal-Rescheid ist urkundlich seit 1543 bekannt. Mitte der achtziger Jahre begann der Heimatverein zusammen mit Wissenschaftlern der Hochschule Aachen das Bergwerk wieder freizulegen; mittlerweile finden täglich Führungen unter Tage statt.

Eisenbahnfans konnten Hellenthal jeden Sonn- und Feiertag im Sommerhalbjahr mit einem historischen MAN-Schienenbus von Kall aus erreichen, jedenfalls bis zur Eifelflut vom 14. Juli 2021, als große Teile der Strecke zerstört wurden.

Mittelalterflair

Reifferscheid und Wildenburg sind zwei typische Burgsiedlungen im Gemeinde­gebiet. Die Burgruine Reifferscheid mit ihrem historischen Ortskern geht in der ältesten Bausubstanz auf das 11. Jahrhundert zurück. Die Wildenburg, einzige nicht zerstörte Höhenburg bei Hellenthal im Kreis Euskirchen aus dem 12. Jahrhundert, wird heute als Begegnungs-, Erholungs- und Bildungsstätte genutzt.

Greifvogelstation

Ein besonderes Ausflugsziel für die ganze Familie ist das Wildgehege Hellenthal mit angeschlossener Greifvogelstation, dem Herzstück der Anlage.
Bei den regelmäßigen Flugvorführungen werden Adler, Bussarde, Milane und Falken mit waghalsigen Manövern in freiem Flug gezeigt. Den Besuchern wird geraten, besonders auf ihre kleinen Hunde aufzupassen...

Die Nachzuchterfolge der Station sind beeindruckend, viele Greifer wurden in den letzten Jahren ausgewildert.
Neben den Greifvögeln begegnet der Besucher auf der 65 ha großen Parkanlage überwiegend einheimischen Wildarten wie Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Fuchs und Luchs.

Bewertung:   4,4/5  Tripadvisor

Krimi-Serie

WDR  1966-70





Wildgehege und Greifvogelstation Hellenthal: Die Geschichte


  • 1967 Eröffnung des Wildgehege Hellenthal und seiner Greifvogelwarte durch den Deutsch - Argentinier Guillermo Staudt
  • 1976 Übernahme durch den arabischen Geschäftsmann Salem Ebrahim Al-Saman
  • 1980 Erste Nachzucht des Amerikanischen Weißkopfseeadlers durch Horst Niesters
  • 1982 Übergabe zweier Weißkopfseeadler an den US-Präsidenten Ronald Reagan
  • 1999 Kauf des Wildgeheges durch Manfred Kreer, Karl Fischer und Horst Niesters
  • 2009 Tod des langjährigen Geschäftsführer und Mitinhabers des Wildgeheges, Horst Niesters. Übernahme der Anteile durch seine Ehefrau Ute Niesters
  • 2020-21 Aufgrund der Corona-Pandemie bleibt das Wildgehege monatelang geschlossen, gerät in eine wirtschaftliche Notlage und bittet um Spenden