T ote, Panik in der Bevölkerung, ein mörderisches Virus, nicht alle sind geimpft, der Staat ordnet Kontaktverbot, Quarantäne und Ausgangsperre an. So lauten die Schlagzeilen in den Monaten der Covid-19-Pandemie.
Vor über einem halben Jahrhundert hat es all das in der Eifel schon einmal gegeben. Der Autor Steffen Kopetzky hat die schon fast vergessenen Ereignisse aus dem Jahr 1962 ausgegraben und darüber einen dokumentarischen Roman veröffentlicht - "just in time" zum Lockdown im April 2021!

Die Eifel-Epidemie

Anfang des Jahres 1962 herrschte große Aufregung im Landkreis Monschau. In Lammersdorf erkrankte ein neunjähriges Mädchen an den „schwarzen Pocken“, die ihr Vater als Monteur aus Indien eingeschleppt hatte. Die Weltgesundheitsorganisation in Genf erklärte den Landkreis Monschau zum "Internationalen Infektionsgebiet". Als Folge schlossen die Belgier ihre Grenzschranken zur deutschen Eifel. Ohne Impfausweis durfte niemand passieren. Insgesamt erkrankten 33 Personen, aber nur eine Frau starb. 700 Menschen mussten Wochen in Quarantänestationen verbringen. Ende April 1962 konnten die Gesundheitsbehörden Entwarnung geben.

Zaun

Die Gunst der Stunde

Er war Anfang 2020 auf einer Lesereise in der Eifel unterwegs zu seinem vorangegangenen Roman „Propaganda“ - der Autor Steffen Kopetzky (* 26. Januar 1971 in Pfaffenhofen an der Ilm) - als der erste Corona-Tote in Europa vermeldet wurde, ein 82-jähriger Franzose. Da erinnerte er sich: Im Vorgespräch für „Propaganda“ hatte ihm die Witwe seines Protagonisten, eines deutschen Militärarztes in der Schlacht im Hürtgenwald, erzählt, ihr Mann sei 20 Jahre nach dem Krieg noch mal in der Eifel gewesen sei, um eine Pockenepidemie in Monschau zu bekämpfen.

Das weckte sein Interesse, und er begann am selben Abend mit den Recherchen. Kopetzky wusste: Wenn er schnell genug schreibt, und wenn uns das Virus noch eine gewisse Zeit erhalten bleibt, dann wird er den ersten Roman zur Pandemie veröffentlichen. Welch eine Chance!

Bewertung:   3,7/5 Amazon

Pocken und Corona - (k)ein Vergleich

Um sich vor dem Coronavirus zu schützen, so schreibt Kopetzky im Spiegel, soll man eineinhalb Meter Abstand von den Mitmenschen halten und sich, sooft es geht, die Hände waschen. Doch die Welt der Seuchen hat noch ganz andere Kaliber anzubieten.
Die Pocken etwa verbreiten sich über den Husten des Infizierten und siedeln sich in einem Umkreis von unglaublichen 20 Metern im Rachenbereich anderer Menschen an, getragen von Luftzügen. Jeder von einem Pockenkranken berührte Gegenstand wird hochinfektiös. Sobald die charakteristischen, von geronnenem Blut schwarz erscheinenden Pusteln aufgekratzt werden und sich entzünden, können sogar Fliegen, die sich am Eiter der Pusteln laben, das Virus leicht übertragen.

Am 2. Februar um fünf Uhr morgens weckte die Polizei Lammersdorfs Einwohner mit der grausigen Lautsprecherdurchsage eines möglichen Pockenfalls. An den Ortseingängen mahnten Polizisten und Zollbeamte, keinesfalls anzuhalten. Der Oberkreisdirektor schloss sämtliche Schulen und verbot - mitten im Karneval - Veranstaltungen jeder Art. In vielen Dörfern liefen eiligst Impfkampagnen an.

Von Pocken-Leugnern oder Impfgegnern ist übrigens nichts bekannt.

Verschwörung

Und die Verschwörungstheorien?
Nun ja, Bill Gates war gerade erst eingeschult worden, den hatte noch niemand auf dem Schirm...

Die Sterblichkeit der unbehandelten Pocken, so wusste man schon in den sechziger Jahren, liegt bei etwa 30 Prozent. Bei Covis-19 sterben im Durchschnitt 1,4 Prozent der symptomatischen Patienten, so fasst die ÄrzteZeitung das Ergebnis diverser aktueller Studien zusammen. Da viele der Infizierten keine Symptome entwickeln bzw. sich gar nicht erst in ärztliche Behandlung begeben, liegt die Corona-Gesamtsterblichkeit wohl im Promille-Bereich bezogen auf alle Einwohner eines Landes.

Gut fürs Geschäft

Mit dem Roman "Monschau" beweist Kopetzky wieder einmal ein exzellentes Gespür für Stoff und Timing. Die Pressearbeit - parallel zum Erscheinungstermin des Romans - gelingt lehrbuchmäßig. Zudem nutzt er die Insignien der frühen Sechzigerjahre: Im Fernsehen läuft gerade Francis Durbridge' sogenannter Straßenfeger "Das Halstuch", es gibt Stuyvesant-Zigaretten, John F. Kennedy, die Hamburger Sturmflut.
Bei aller Pocken-Dramatik hat es Kopetzky nicht nötig, einen Katastrophen-Schocker aufsetzen, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Dabei weiß der freie Schriftsteller natürlich:
Mit Angst, Panik und Untergangsphantasie lassen sich Bücher und Zeitungen prächtig verkaufen, alle Horror- und Katastrophen-Filme bauen darauf auf und außerdem, wie manche bösen Zungen behaupten, Parteiprogramme der Grünen.

Die Aufhänger wechseln natürlich. In den letzten Jahrzehnten waren es zunächst die Großmächte, die in einem Atomkrieg den Weltuntergang auslösen, dann Außerirdische, zwischendurch immer wieder todbringende Viren, und seit geraumer Zeit ist es der Klimawandel, der die Erde unbewohnbar machen soll.

Kreativität und Erfindungsreichtum der Menschen werden dabei gerne unterschätzt. Wer hätte beispielsweise daran gedacht, dass eine junge, am Asperger-Syndrom erkrankte Schwedin die Klimakatastrophe aufhalten kann, indem sie eine große Anzahl von Schülern dazu bringt, regelmäßig an einem Tag in der Woche die Schule zu schwänzen?

Zaun

Die Liebe zum Untergang ist aber keine Erfindung der Neuzeit. Schon im Mittelalter warteten die Menschen - zumindest im christlichen Abendland - mit Hoffen und Bangen auf die Apokalypse, den "jüngsten Tag". Die Mainstream-Kirchen halten sich in dieser Frage inzwischen eher zurück, jedenfalls lassen sie sich nur ungern auf einen Termin festlegen.
Gewisse Sekten sind da mutiger und gehen weiterhin mit Slogans à la "Erwachet - das Ende ist nahe!" hausieren.

Das Verursacher-Prinzip

Eins ist sicher - an den meisten Risiken tragen wir selbst die Schuld. Bei Atomraketen muss schließlich jemand auf den roten Knopf drücken, und der Klimawandel ist größtenteils menschengemacht, da sind sich fast alle Wissenschaftler einig.
Interessanterweise haben wir uns auch den Ärger mit den Viren im Wesentlichen selbst eingehandelt. Genau genommen waren es die Menschen im Nahen Osten (die machen ja heute noch Ärger!) vor gut 10.000 Jahren, als sie sich entschieden, vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer und Viehzüchter aufzurüsten.
Historiker meinen heute: Das war eine fatale Fehlentscheidung, es fehlte zu Beginn der Jungsteinzeit definitiv eine "Technikfolgenabschätzungskommission"!

Aber vielleicht tun wir unseren eigenen Vorfahren ja Unrecht, die sich mit dem Sesshaftwerden in Mitteleuropa noch ein paar tausend Jahre Zeit ließen, während anderswo schon längst gesät und geerntet wurde.
Eine böse Vorahnung auf das, was man sich einhandeln würde, oder doch eher Ergebnis einer innovationsfeindichen Bürokratie, wie wir sie auch heute kennen?
Die Archäologen haben darauf noch keine endgültige Antwort gefunden.

Eins ist jedenfall sicher: Die Menschen lebten nach dem Kultursprung in Dörfern - und später Städten - ziemlich eng beisammen (Hygiene!) und dann auch noch mit dem lieben Vieh unter einem Dach. Das machte es den Viren einfach, die Artenschranke zu überwinden und sich in einer Bevölkerung rasant auszubreiten, die keine natürliche Abwehr besaß.
Die (Kinder-)Krankheiten nahmen zu, die Lebenserwartung nahm ab. Seinerzeit hat wohl niemand von "Herden-Immunität" gesprochen, aber das war die einzige Chance zu überleben, bevor eine bessere Hygiene, Antbiotika und Impfungen die Infektionskrankheiten in der Neuzeit zurückdrängten.

Dinosaurier

Die Dinosaurier werden immer trauriger

Natürlich gibt es auch Risiken, an denen wir Menschen völlig unschuldig sind - Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche oder Asteroiden-Einschläge zum Beispiel.
So werden die Dinosaurier wohl nicht erwartet haben, dass ihre erfolgreiche Gattung, die lange Zeit den Planeten beherrschte, vor etwa 66 Millionen Jahren nach einem gewaltigen Asteroiden-Einschlag im Golf von Mexiko ausgelöscht würde.
Aber, wie heißt es doch so schön: In jeder Pleite liegt die Chance für einen Neuanfang!
Mit dem Verschwinden der Dinos spielte die Evolution unseren entfernten Vorfahren, den ersten Säugetieren, einen Joker zu, den sie zu nutzen wussten. Die Konkurrenz war aus dem Spiel genommen, die eigenen Geschäfte entwickelten sich ausgezeich­net!

Aber auch, wenn wir alles richtig machen, und wenn uns kein großer Brocken aus dem Weltraum auf den Kopf fällt - in etwa 10 Milliarden Jahren ist alles vorbei, zumindest für die Erde. Die Astronomen haben berechnet, dass dann der Lebenszyklus der Sonne endet. Unser Planet wird entweder erkalten oder in einer leuchtenden Wolke aus Gas und Staub verschluckt.
Müssen wir uns darüber jetzt Sorgen machen? Vielleicht helfen ja Schülerdemos, Greta übernimmt die Organisation...


*** Monschau ***

ist mit seiner historischen Altstadt und der imposanten Hecken- und Vennlandschaft die Top-Destination für Belgier und Holländer in der Eifel. Beim Bummel durch die verwinkelten Gassen der Altstadt und hinter den romantischen Fachwerkfassaden erwartet den Besucher ein vielfältiges Kunst-, Kultur- und Museenangebot. Die Stadt ist Mitglied im Arbeitskreis Historische Stadtkerne Nordrhein-Westfalens und darf sich seit 1996 Luftkurort nennen. In der näheren Umgebung sind zahlreiche Bunkerruinen und Panzersperren des ehemaligen Westwalles zu finden.

1198 wurde Monschau als Mons Ioci zum ersten Mal erwähnt, 1352 bekam die Siedlung Stadtrechte. Die Herzöge von Limburg hatten zu dieser Zeit die Monschauer Burg bereits ausgebaut. Am Ende des 16. Jahrhunderts begann die Ära der Monschauer Feintuchproduktion, die den Wohlstand der Stadt in den nächsten Jahrhunderten begründete. Davon zeugt heute u.a. das »Rote Haus«, das gleichzeitig Produktionsstätte und Wohnhaus der Textildynastie Scheiber war.

Touristen mit kulinarischen Präferenzen besuchen die historische Senfmühle, die Brauerei Felsenkeller und die Caffee-Rösterei Wilhelm Maassen, die nicht nur authentische Mitbringsel feilbieten, sondern auch einen Blick auf Produktion erlauben.

Panorama Monschau

1971 verpackte das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude die Haller-Ruine und Teile der Monschauer Burg. Das "CHRISTO projekt monSCHAU" stellt eine der ersten großen Open-Air-Verhüllungen der Künstler dar - und war bei den Einwohnern seinerzeit heftig umstritten!

Mit der WDR-Produktion »Die Stadt im Tal« startete im selben Jahr Monschaus Karriere als führender Filmschauplatz der Eifel.

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