M ai 2012: US-Veteran Ray Bell reist nach Belgien, um seinen Kameraden Eric und Gerald am Memorial Day auf dem amerikanischen Militärfriedhof in Henri-Chapelle zu gedenken. Ende des II. Weltkriegs kämpften sie gemeinsam in der Eifel und den Ardennen. Beide wurden damals von drei SS-Soldaten grausam ermordet. Paul Verhoven, einer der Täter, treibt nun, kurz vor dem Memorial Day, tot im Stausee von Obermaubach.

Es entwickelt sich ein hochbrisanter Fall, der die Aachener Kommissare Fett und Schmelzer zusammen mit den hinzugerufenen Kollegen aus Lüttich und Maastricht in einen gefährlichen Strudel um Rache und Nazi-Raubkunst führt. Ein Fall, der zeigen soll, wie wichtig europäische Zusammenarbeit sowie ein Bewusstsein für die gemeinsame Unheilsgeschichte sind.

Geschichtsstunde

Mit seinem Buch wagt sich Olaf Müller an brisante historische Themen, die mit der bitteren deutschen Vergangenheit verwoben sind.
Verhoven, SS-Nachwuchs im Zweiten Weltkrieg und gleichzeitig erstes Mordopfer, hatte es geschafft, nach dem Krieg als harmloser Mitläufer dazustehen und sich im vollständig zerstörten Düren eine neue Existenz aufzubauen:
„Raubkunst“ wird im Krimi zum Schlüsselbegriff für die Lösung eines komplizierten Falles sein. Ein Gemälde, von dem Müller erzählt, gibt es wirklich genau wie die Allerseelenschlacht im Hürtengenwald.
Die ist in Deutschland - anders als etwa die Ardennenoffensive ein paar Wochen später und nur 30km südlich - relativ unbekannt. Ganz anders in den USA: Für die Amerikaner war es die verlustreichste Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf dem europäischen Kontinent, und dadurch ist sie in der amerikanischen Erinnerung sehr präsent.
Ein wesentliche Rolle für die "Erinnerungskultur" spielen die beiden Schriftsteller Ernest Hemingway und Jerome D. Salinger, die beide an der Schlacht im Hürtgenwald teilnahmen und ihre schrecklichen Erlebnisse literarisch und in Briefen verarbeitet haben.

Rezensionen

• Wie schon in „Rurschatten“ nimmt Kommissar Fett die Fäden der Ermittlung auf und ich bin ihm neugierig durch die Grenzregion und die dunklen Abgründe gefolgt, die Olaf Müller kenntnisreich und unterhaltsam zusammengefügt hat.
HS2036B

• Toller Krimi mit geschichtlichem Hintergrund im Rheinland: Spannend, seht gut recherchiert und mit liebenswerten Charakteren, bei denen man wissen will, wie es weiter geht. Hab sofort den nächsten bestellt.
Thomas H.

• Es ist Olaf Müller wieder einmal gelungen einen fesselnden Krimi zu schreiben, bei dem man nebenbei aber auch ganz viel erfährt über die Gegend, in der spielt und die Menschen dort.
Der Autor hat es mit großem Sach-und Ortswissen geschafft, die Charaktere in dieser Szenerie lebendig werden zu lassen.
sab-mz

Bewertung:   4,3/5 Amazon

Der Autor

Olaf Müller wurde 1959 in Düren geboren, sein Vater war Polizist. Er ist gelernter Buchhändler und studierte Germanistik sowie Komparatistik an der RWTH in Aachen.
Seit 2007 leitet er den Kulturbetrieb der Stadt Aachen. Sprachreisen führten ihn oft nach Frankreich, Italien, Spanien sowie Polen und Austauschprojekte in Aachens Partnerstädte Arlington (USA), Kostroma (Russland) und Reims (Frankreich).
Olaf Müller hält Vorträge u.a. zum Thema Heimat und Identität. Als Segelflieger kennt er die Eifel aus der Luft, als Wanderer vom Boden.
Ab Oktober 2021 begleitet er seine Leser zusammen mit einem Dürener Busunternehmen zu den Tatorten seiner Eifelkrimis.

In der Regel dauert es ein Jahr von der ersten Idee eines Buches bis zu seiner Fertigstellung. „Ich schreibe morgens zwischen fünf und sechs Uhr, am Wochenende und im Urlaub. Man kann meine Krimis zwar durchaus in wenigen Tagen lesen. Das Schreiben dauert aber eben doch deutlich länger.“ Die Figur seines Hauptkommissars Michael Fett habe er dabei schon sehr lange im Kopf, erzählt Müller weiter. „Aber es hat ewig gedauert, bis ich mich getraut habe, eine Word-Datei zu öffnen und mit dem Schreiben anzufangen.“
Michael Fett sei ein „leicht verschrobener Columbo-Typ“, beschreibt Müller seine Hauptfigur. „Ein echtes Vorbild gibt es für ihn aber nicht. Er ist völlig frei erfunden.“


*** Hürtgenwald ***

Heute eine grüne, liebliche, mit quellfrischen Bächen durchzogenen Eifel-Landschaft - gegen Ende des 2. Weltkriegs die Hölle:
Die kleine Gemeinde (knapp 9.000 Einwohner) im Kreis Düren liegt am Nationalpark Eifel in der Rureifel. Der Nationalpark-Infopunkt Zerkall ist Anlegestelle für viele Kanuten und Start des „Historisch-literarische Wanderwegs“. Nah den staatlich anerkannten Erholungsorten Simonskall und Vossenack verläuft der einzige Bodenlehrpfad Nordrhein-Westfalens mit spannenden Einblicken in ein sensibles Ökosystem.

Dafür hatten die deutschen und amerikanischen Soldaten wohl keinen Blick, als sie sich in diesem Gebiet zwischen Oktober 1944 und Februar 1945 in ausgedehnten Bodenkämpfen gegenüberstanden. Massiv griffen die amerikanischen Truppen zum zweiten Mal am 2. November an - von diesem Datum leitet sich der Begriff "Allerseelenschlacht" ab.
Auf beiden Seiten wurden insgesamt über 30.000 Soldaten getötet, verletzt oder gefangen genommen. Nach dem Urteil eines beteiligten US-Fallschirmjägergenerals war es „die verlustreichste und schlechtest geführte Schlacht, die unsere Armee geschlagen hat“.
Die deutschen Verteidiger waren durch das bergige und waldige Gelände im Vorteil, das die amerikanische Überlegenheit an Kriegsgerät weniger zur Geltung kommen ließ; außerdem standen ihnen die Befestigungen des Westwalls zur Verfügung.

Heute erinnert das Museum "Hürtgenwald 1944 und im Frieden" und mehrere Kriegsgräberstätten an die Tragödie. In den Wäldern der Region werden immer noch Überreste der Kampfhandlungen gefunden, manchmal auch menschliche.

Bewertung:   4,2/5  Tripadvisor

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