E s kommt nicht häufig vor, dass eine US-Zeitschrift eine mehrseitige Reportage über die Eifel veröffentlicht.
Im August 2020 lautete die Schlagzeile im renommierten Magazin THE NEW YORKER: »The Cold War bunker that became home to a dark-web empire.«
In Deutschland berichteten Tagesschau und heute Journal über die Enttarnung des Cyberbunkers auf dem "Mont Royal" nahe Traben-Trarbach an der Mosel; das Nachrichtenmagazin Der Spiegel brachte mehr als 12 Artikel, darunter auch eine Titelgeschichte.

Razzia

Ende September 2019, ein knappes Jahr vor dem Erscheinungsdatum des Artikels im NEW YORKER, hatten mehrere hundert Spezialeinsatzkräfte, darunter auch die GSG 9, in einem Großeinsatz einen ehemaligen Nato-Bunker in der Nähe von Traben-Trabach an der Mosel gestürmt. Den hatte ein niederländischer Hacker für 350.000 Euro regulär erworben und darin ein altes Rechenzentrum der Bundeswehr reaktiviert, um - nach eigenen Angaben - darauf als »Bulletproof-Hoster« eine Plattform für Webangebote zu vermarkten "mit Ausnahme von Kinderpornografie und allem, was mit Terrorismus zu tun hat".

Bei der Razzia wurden 886 physische und virtuelle Server mit einem Gesamtvolumen von zwei Millionen Gigabyte sichergestellt. Die Ermittler gaben an, von den ausgewerteten Daten sei nichts legal gewesen, mit dem Geschäftsmodell »Cyberbunker« sei vielmehr Beihilfe zu rund einer viertel Million Straftaten geleistet worden.
Auf den Servern wurden Darknet-Plattformen wie „Wall Street Market“ und „Darkmarket“ betrieben, auf denen Drogen, Falschgeld und gestohlene Kreditkarten gehandelt wurden. Von den Servern soll zudem 2016 ein Angriff auf Router der Telekom gesteuert worden sein.
Vor dem Zugriff hatten die Behörden rund fünf Jahre lang ermittelt.

Lange Haftstrafen

Nach mehr als einem Jahr Prozessdauer wurde Ende 2021 das Urteil verkündet:
Der Hauptangeklagte muss fast sechs Jahre in Haft, sechs Mittäter zwischen zwei und vier Jahren. Ihre Argumentation, es sei nicht illegal, die bloße Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, half ihnen nicht unbedingt weiter. Die Beschuldigten wurden für die Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt, nicht jedoch wegen Beihilfe.

Jetzt sind die Kunden dran: Wer auf dem Cyberbunker seine (illegalen) Geschäfte betrieben hat, darf - im Fall seiner Enttarnung - mit einem Folgeverfahren rechnen. Davon sind bereits über 200 eingeleitet worden; die meisten davon mussten aber wieder eingestellt werden, da die Identität der Hintermänner nicht ermittelt werden konnte.
Insgesamt löste die Razzia auf den Cyberbunker weltweit rund 150 Verhaftungen aus, darunter die eines australischen Ehepaars. Den Beiden wird vor dem Landgericht Trier der Prozess gemacht, sie sollen über die Plattform "DarkMarket" mit rund 500.000 Nutzern und mehr als 2400 Verkäufern eine vierstellige Anzahl von Drogengeschäften organisiert haben.


*** Traben-Trarbach***

ist ein Moselstädtchen mit etwa 5.500 Einwohnern, auf halber Strecke zwischen Trier und Koblenz.
Ein historisches Gebäude, der Aacher Hof, ist bereits 830 in einer Urkunde erwähnt. Gut tausend Jahre später, am 21. Juli 1857, wurde bei einem Großbrand fast ganz Trarbach ein Opfer der Flammen, und 1.400 der damals 1.700 Einwohner wurden obdachlos.
Als Konsequenz aus dieser Katastrophe ließ Trarbach Ende des 19. Jahrhunderts als einer der ersten Orte in Deutschland die Gaslampen durch eine elektrische Straßenbeleuchtung der Edison-Gesellschaft (später AEG) ersetzen.
Zu dieser Zeit war Traben-Trarbach der zweitgrößte Weinhandelsplatz in Europa direkt nach Bordeaux.

Der wohlhabende Winzerort besitzt viele prächtige Jugendstilbauten und riesige Gewölbekeller, die sich teilweise über mehrere Etagen erstrecken. Einige der kilometerlangen Weinkeller lassen sich im Rahmen einer Führung besichtigen inkl. einer kleinen Probeverkostung.
Der Besucher triff in Traben-Trarbach auf die älteste Minigolfanlage Deutschlands und das größte Buddha-Museum in Europa, in dem über 2.000 Buddha-Figuren aus aller Welt bestaunt werden können.
Wanderer machen einen Abstecher zur Ruine der Grevenburg mit großartiger Aussicht über die Stadt und ins Moseltal.

Fehlinvestition des Sonnenkönigs

Nur wenige hundert Meter vom Cyberbunker entfernt liegen die übergrünten Ruinen einer Festung. Die gewaltige Anlage zog sich weit über den ganzen Bergrücken, sie belegte eine Fläche von 50 Hektar.
In Auftrag gegeben hat sie 1687 Frankreichs »Sonnenkönig«, Ludwig XIV., bei seinem Festungsarchitekten Sebastien Vauban. So erhielt das Plateau seinen Namen - Mont Royal. Nach der Fertigstellung sollten hier 8500 Soldaten ihren Dienst tun, in einem Lager direkt neben dem Festungskern war »bed & breakfast« für weitere 12.000 Soldaten der Rheinarmee eingeplant.
Nach 11 Jahren wurden die Arbeiten eingestellt und die rund 8000 Zwangsarbeiter nach Hause geschickt: Ludwig XIV. hatte in einem Friedensvertrag zugesagt, nicht mehr nach Osten zu expandieren und seine Truppen, die auf dem Mont Royal bereits ihren Dienst taten, abgezogen. Im Frühjahr 1698 ließ er die Anlage zerstören, wie übrigens auch über 90% der Schlösser und Burgen in der Eifel, die er in den Jahren zuvor erobert hatte.

Als Alternative zum alten Gemäuer lockt auf dem Mont Royal heute der "Mosel Adventure Forest" Kletterpark mit einem der längsten Seilrutschenparcours in Europa.

Bewertung:   4,6/5  Tripadvisor