53 Grad minus in Sibirien, Gluthitze in Wüstengebieten, endlose Sümpfe und das unerschlossene Gebirgsmassiv der Anden -
ingesamt fast 47.000 Kilometer rund um die Welt:
Wiederholt wird das Fahrzeug mit vorgespannten Menschen und Tieren über Berge gezogen, eine Unzahl von Pannen verzögert die Reise immer wieder.

Ein neuer Indiana Jones?
Weit gefehlt! Am 24. Juni 1929 fuhren die deutsche Industriellentochter Clärenore Stinnes und der schwedische Kameramann Carl-Axel Söderström im Triumphzug über die Avus in Berlin ein. Zwei Jahre zuvor waren sie mit einem Serien-PKW der Marke »Adler Standard 6« in Frankfurt am Main gestartet.
Die junge Stinnes hatte vorher bereits 17 Autorennen gewonnen, natürlich gegen männliche Konkurrenten. Ein Platz in den Geschichtsbüchern des Motorsport war ihr damit schon sicher. Jetzt wollte sie es aber noch einmal richtig wissen, im PKW hatte schließlich noch kein Mensch vor ihr die Erde umrundet.

Dreharbeiten

Dieser Film ist gleich zweimal entstanden: Im Jahr 1927 startet die burschikose Industriellentochter Clärenore Stinnes ein höchst sonderliches Unternehmen: Sie will als erster Mensch die Erde mit dem Automobil umrunden.
Ohne den ADAC-Pannendienst, aber mit zwei Technikern des Autoherstellers und dem namhaften schwedischen Stummfilm-Kameramann Carl-Axel Söderström geht es nach langer Vorbereitung endlich los.
Im Jahr 1931 kam Söderströms einstündige Dokumentation unter dem Titel »Im Auto durch zwei Welten« in die deutschen Kinos.
Stinnes hatte sich für ihr Projekt Sponsoren und Werbepartner ins Boot geholt und die Reise von Beginn an als Medienereignis geplant.

90 Jahre nach der Ankunft der Weltumrunder in Berlin konnte Regisseurin Erica von Moeller bei ihrem Dokudrama auf umfangreiches Film- und Fotomaterial zurück­greifen, das Clärenore Stinnes und Carl-Axel Söderström selbst aufgenommen haben.

Nach Vorrecherchen und erster Kalkulation änderte die Produktionsfirma "Taglicht Media" ihre Pläne:
Dreharbeiten rund um die Welt an allen Stationen der historischen Reise waren wegen der Transportprobleme mit dem kostbaren Oldtimer nicht realisierbar. Deshalb entschied man sich für Marokko als Haupt-Drehort.
Die Aufnahmen der sibirischen Eiswüste, wo der Wagen im Sumpf stecken bleibt, wurden in Düren gedreht. Dort fand sich ein Privatgelände mit Teich und Sumpfinseln, auf denen Birken stehen.
"Im Freilichtmuseum Kommern liefert das Ambiente das Abenteuer", findet Regisseurin von Moeller. "Da springt einen die Vergangenheit aus jedem Stein und jedem Ziegel an."

Filmkritik

• Aus respektvoller Distanz zeichnet Regisseurin Erica von Moeller ein vorsichtiges Porträt einer starken Frau und lädt die Spielszenen gekonnt dokumentarisch auf.
Die größte Frage wird bloß angedeutet: Was hat Clärenore angetrieben?

Jan Hamm, Filmstarts.de

• Die inszenierten Spielszenen fallen trotz der sehr präsenten Darsteller ein wenig blass aus, was dem Genuss der abenteuerlustigen Geschichte freilich nichts anhaben kann.
Filmdienst

• Der Film macht vor allem deutlich, wie geschickt Stinnes und Söderström ihr von Sponsoren mitfinanziertes Unternehmen als mediale Inszenierung gestalteten.
Selbst in kritischen Situationen, etwa bei einer Schussfahrt von einer steilen Düne, ist die Kamera so platziert, dass die Geschehnisse effektvoll ins Bild kommen.

EPD-Film

Bewertung:   6,3/10  IMDb


*** Kommern ***

gilt mit seinen gut 4.500 Einwohnern als »touristische Perle der Stadt Mechernich« und ist wegen seines geschlossenen Fachwerkensembles im historischen Ortskern bekannt. Zu den kulturhistorisch bedeutenden Bauten gehören – neben den liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern - die neugotische Pfarrkirche Sankt Severin aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die im Privatbesitz befindliche Burg aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Kommern war über Jahrhunderte ein wichtiges Zentrum des Blei- und Silberbergbaus. Dieser wurde von der noch heute sehenswerten Burg Kommern, einem Sitz der Herzöge von Arenberg, verwaltet.

Das LVR-Freilichtmuseum

1972 fand in Kommern die Landesgartenschau Nordrhein-Westfalen statt. Bereits 15 Jahre zuvor begannen in der Nähe die Arbeiten zum Aufbau eines großen Freilichtmuseums, dessen Träger der Landschaftsverband Rheinland (LVR) wurde. Auf dem 110 ha großen Gelände sind ca. 80 historische Gebäude aus der ehemaligen preußischen Rheinprovinz originalgetreu aufgebaut, eingebettet in eine Museumslandschaft mit Äckern, Bauerngärten und Obstwiesen.

In der Dauerausstellung „WirRheinländer“ wird die Geschichte des Rheinlandes und das Leben der Rheinländer von der französischen Besetzung 1794 bis in die Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders nach 1950 gezeigt. Die Besucher durchwandern dabei in einer Ausstellungshalle eine Geschichtsgasse mit mehr als 50 Nachbauten von Gebäuden aus dem Rheinland. Darüber hinaus zeigt das LVR-Freilichtmuseum Kommern jährlich mehrere Wechselausstellungen.

Bewertung:   4,4/5  Tripadvisor

History

Indigo  2009