E ine Leiche im Industriegebiet und unzählige Spuren. Die Ermittler in der Eifel setzen auf „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Doch besteht nach mehr als acht Jahren tatsächlich noch Hoffnung auf die Aufklärung dieses Verbrechens?

Am frühen Heiligabend 2005

macht ein Lastkraftwagenfahrer im Industriegebiet von Mehren (Landkreis Vulkaneifel) eine grausige Entdeckung. Auf dem Gelände eines Paketdienstes an der Autobahn A1 findet der Fahrer die Leiche eines Mannes. Wie sich schon bald herausstellt, handelt es sich bei dem Toten um den 54 Jahre alten Niederlassungsleiter des Paketdienstes.

Raubmord oder Beziehungstat?

Eine Obduktion ergibt, dass Hans-Joachim E., der erst seit wenigen Monaten für das Mehrener Depot zuständig ist, zahlreiche Male auf den Kopf geschlagen worden sein muss. Diese unglaubliche Brutalität spricht nach Meinung der Kripo Trier dafür, dass sich Täter und Opfer gekannt haben. Offenbar wollte Hans-Joachim E. in der Tatnacht gerade das Gelände verlassen, als die Täter zuschlagen. Doch damit nicht genug: Sie nehmen ihrem Opfer die Schlüssel ab, öffnen den Firmentresor und stehlen 6400 Euro.
Die Soko "Spedition" und die Ermittler der Trierer Mordkommission gehen von einem Raubmord aus, wenn auch nicht gänzlich ausgeschlossen wird, dass es sich - auf Grund der schweren Verletzungen - um eine private Abrechnung gehandelt haben könnte.

War es der Fahrer?

Eine Spur führt zur Festnahme eines polnischen Speditionsfahrers. Der Tatverdächtige war einer der Letzten, der Hans-Joachim E. lebend gesehen hatte. Doch der damals 36-Jährige bestreitet die Tat von Beginn an.
Die Polizei lässt den Familienvater nach einer Nacht in der Zelle laufen und nimmt ihn ein Jahr später erneut wegen Mordverdachts fest. Da die Ermittler wieder nichts Belastendes gegen den Mann in der Hand haben, ist auch diese Festnahme nicht von langer Dauer.

Fahndung per "Aktenzeichen XY... ungelöst"

Beinahe 10 Jahre später kommt endlich Bewegung in den Fall. Die Ermittler nehmen zwei Männer fest, die aus dem Kreis Cochem-Zell stammen. Rudolf A. (45) sowie Marc G. (30) sind bereits vorbestraft wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen Einbruchdiebstählen; sie lassen sich widerstandslos festnehmen. Der Haftbefehl lautet auf gemeinschaftlichen Raub mit Todesfolge.
Die beiden Männer sind nach einem Fahndungsauftrag Mitte April 2014 bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" völlig unverhofft ins Visier der Polizei geraten. In der Sendung des ZDF, in der insgesamt 25.000 Euro Belohnung ausgesetzt waren, gab es den entscheidenden Tipp auf die Einbrecherbande aus Ulmen. Später werden noch zwei weitere mutmaßliche Mittäter verhaftet.

Kein kurzer Prozess

Die Hauptverhandlung gegen die vier Angeklagte beginnt im Juni 2015 - und wird sofort wieder vertagt, weil der Gutachter nicht erschienen ist. Die Pflichtverteidiger gehen von einer schwierigen Beweislage und einem langen Prozess aus, da es für die Beteiligung der Angeklagten nur Indizien gebe, keine stichhaltigen Beweise.
Auch Anfang 2016 ist noch kein Ende abzusehen, die Angeklagten schweigen beharrlich.
Ende Mai 2016, nach fast einem Jahr Verhandlung, spricht das Landgericht Trier schließlich die Urteile über die Angeklagten. Der Hauptangeklagte muss für 15 Jahre in Haft, ihn verurteilte das Gericht wegen Raubes mit Todesfolge und Totschlags. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er das Opfer mit einem Wagenheber niedergeschlagen hatte. Sein Komplize erhielt acht Jahre wegen besonders schweren Raubes. Er hatte die Tat ursprünglich geplant.
Ein dritter Verurteilter hatte laut Gericht dabei geholfen, das Opfer festzuhalten. Er wurde wegen Raubes mit Todesfolge zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt.


*** Mehren ***

gehört mit seinen etwa 1.500 Einwohnern der Verbandsgemeinde Daun an und ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.
Im Jahr 1282 und 1284 wird das Dorf erstmals urkundlich im Zusammenhang mit Schenkungen an das Kloster Prüm genannt; Siedlungsspuren reichen jedoch bis in die späte Hallstattzeit um 700 v. Chr. zurück.

Mehren Panorama

Mit seiner guten Infrastruktur in unmittelbarer Nähe zur A1 ist der Eifelort für viele Menschen nicht nur als Wohnort attraktiv, sondern auch als Arbeitsplatz. Der größte Arbeitgeber der Gemeinde ist die APRA-Gruppe, die ihren Sitz im Mehrener Gewerbegebiet hat.
Touristisch profitiert Mehren von den pittoresken Dauner Maaren gleich hinter der Gemeindegrenze, kreisförmige flache Seen, die vor Jahrtausenden durch Vulkanausbrücke in der Eifel ("Vulkaneifel") entstanden sind.

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