W er ist Jan? Der Junge erwacht eines Tages in einer Höhle im Wald, ohne jede Erinnerung.
Auf der Flucht vor den unfreundlichen Eigentümern eines Jagdhauses wird er beinahe vom Wagen des Kölner Tiefbauingenieurs Thomas Kaufmann überfahren. Die Familie nimmt ihn auf und versucht, ihm eine neue Identität zu verschaffen.

Weitsprung, Hürdenlauf, Sprint - im Wettbewerb gegen Jan hätte niemand in diesen Leichtathletik-Disziplinen die geringste Chance: Der Junge springt aus dem Stand 20 Meter weit, und das ist für ihn noch eine der leichtesten Übungen.
Er kann Gedanken lesen, kommuniziert offenbar mit Tieren und erlernt in kürzester Zeit jede Sprache. Ein Autist? Nein, ein Außerirdischer vom goldenen Stern, den es wegen einer technischen Panne auf die Erde verschlagen hat.
Mit seinen Superkräften wäre Jan drei Jahrzehnte später problemlos ins Marvel-Universum aufgenommen worden und hätte in Hollywood Karriere gemacht. 1980 verdächtigt man ihn der Beschaffungskriminalität, und er muss sich mit Polizei, Geheimdiensten und Medien herumschlagen.

Dreharbeiten

Science Fiction wird in Deutschland eher selten gedreht, und das gilt fürs Kino genauso wie fürs Fernsehen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel:
Die 1966 in den Münchner Bavaria Studios produzierte Schwarz-Weiß-Serie "Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion" erhielt schon bald nach ihrer Ausstrahlung Kultstatus und wurde inzwischen über 20mal wiederholt.
Viele Fans warten heute immer noch auf eine Fortsetzung der erfolgreichen Serie und tauschen sich in diversen Internet-Foren aus. Wenig beeindruckt hat sie, dass im Jahr 2003 für das Kino ein Zusammenschnitt mehrerer Folgen unter dem Titel "Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino" veröffentlicht wurde.

Regisseur Peter Podehl hat sich also was getraut, als er 1980 für den WDR eine Mischung aus Jugend- und SciFi-Film nach dem Roman „The Forgotten Door“ von Alexander Key drehte - zunächst als dreiteilige Serie, später auf Spielfilmlänge zusammengeschnitten.
Für den Darsteller der Hauptfigur, Balthasar Lindauer, war es ein "One-Hit-Wonder", er wurde danach nie mehr in einer TV-Produktion gesichtet. Vermutlich haben ihn die Aliens nach Abschluss der Dreharbeiten wieder zu seinem Heimatplaneten gebracht...
Ganz anders Thekla Carola Wied, die seine irdische Adoptivmutter spielt: Ihre Fernsehkarriere dauert über 50 Jahre, und fast immer wird sie als weibliche Sympathieträgerin besetzt und des öfteren als „Mutter der Nation“ gefeiert.

Drehort für die Szenen auf dem goldenen Stern - und Jans 20-Meter-Sprünge - war eine ehemalige Fabrikhalle im Kölner Stadtbezirk Kalk. Dazu gibt es sogar zwei kurze WDR-Dokumentationen unter dem Titel "Hollywood in Kalk: Die Raumstation" und "Der Zwanzig-Meter-Sprung".
Das Haus der irdischen Ersatzfamilie musste natürlich so abgelegen wie irgend möglich sein - also in der Eifel! Man entschied sich für das ehemalige Pfarrhaus in Wintersdorf, direkt an der Grenze zu Luxemburg.

Filmkritik

• Ganz gleich wie naiv der Film heute wirken mag, er ist wertvoll als einer der wenigen SF-Filme aus Deutschland in dieser Zeit - und dazu noch als Adaption eines amerikanischen Buches (!).
Die Tricks waren schon damals anachronistisch und sind neben der wenig innovativen Kamera der größte Schwachpunkt.

Andreas Simon

• Der Hauptdarsteller Balthasar Lindauer (= Jan) hat leider an keinem Film mehr mitgewirkt. Selbst der Regisseur des Films, Peter Podehl, wusste auf Nachfrage nichts über seinen weiteren Werdegang.
Hochlöffel

• Die Handlung ist nach wie vor spannend, die technischen Rahmenbedingungen sind der heutigen Jugend allerdings eher fremd. Daher eher ein Spaß für Nostalgiker als für die ganze Familie.
Tennyson

Bewertung:   7,4/10  IMDb


Die *** Teufelsschlucht ***

im Naturpark Südeifel in der Nähe von Irrel ist eine Felsspalte von einem bis fünf Meter Breite und gleichzeitig eines der bekanntesten Naturdenkmäler der Eifel. Sie liegt nur eine gute viertel Stunde Fahrzeit vom Drehort Wintersdorf entfernt.
Gegen Ende der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren führte der Wechsel von Frost- und Tauperioden zu gewaltigen Felsstürzen am Rand der Hochfläche. Ein großer Sandsteinblock kippte damals aus der Plateauwand heraus und öffnete so eine heute 28 Meter tiefe Felsspalte

Mit ihren steilen Felswänden, engen Schluchten und Spalten ist die bizarre Felsenlandschaft der Teufelsschlucht ein Ausflugsziel und ein Startpunkt für weitere Wanderungen in die Umgebung. Enge Schluchten und schmale Felsspalten, von Moosen und Flechten bewachsen, riesige Felstürme, mächtige Steinblöcke mit bizarren Verwitterungsformen – eine wilde, urtümliche Landschaft prägt das Ferschweiler Plateau und seine Umgebung.

Kein Wunder, dass die Menschen früher dachten, hier habe der Leibhaftige höchst persönlich randaliert!

Einige der spektakulärsten Wanderrouten der Eifel führen durch den Naturpark, der für Touristen in ein eigenes Informationszentrum eingerichtet hat. Da schadet es auch nicht, wenn gleich die Ecke herum der barrierefreie Dinopark-Teufelsschlucht Familien von Ende März bis Anfang November zu einer Zeitreise durch die Erdgeschichte einlädt.

Bewertung:   4,5/5  Tripadvisor

TV-Serie, Sci-Fi

WDR  1980