D en Frauen des neunten Jahrhunderts bieten sich nicht viele Karriere-Optionen, vor allem, wenn sie - wie die kleine Johanna - keinen Bock auf Schuften und Kinderkriegen haben.
Entgegen der Gebote des strenggläubigen Vaters lernt sie von ihrem älteren Bruder heimlich Lesen und Schreiben. Mit der Hilfe des weisen Aesculapius gelingt ihr sogar der Besuch der Domschule.
Der Überfall der Normannen auf die Stadt eröffnet ihr eine unerwartete Chance: Johanna flieht – als Mann verkleidet – in ein Kloster nach Fulda und arbeitet intensiv an ihrem weiteren Aufstieg in der Kirchen-Hierarchie - bis zur feierlichen Ernennung zum neuen CEO ("habemus papam").

Was ist dran?

Der historische Hintergrund ist die mehr als zweifelhafte Legende jener »Päpstin Johanna«, die es im 9. Jahr­hun­dert gegeben haben soll – als Papst Johannes Anglicus. Die Fakten sind mehr als umstritten, die Kirche leugnet, Historiker sprechen von »einer guten Geschichte« der 12. Jahrhunderts.
Immerhin: Der feministisch inspirierte Roman der amerikanischen Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross über die "Päpstin" wurde ein Bestseller. Allein über vier Millionen Mal wurde die deutsche Ausgabe ihres Buches verkauft, weltweit rund zehn Millionen Mal.

Die Dreharbeiten

begannen Anfang August 2008 auf der Burg Querfurt in Sachsen-Anhalt und dauerten bis November 2008. Weitere Drehorte waren Schmidtheim in der Nordeifel sowie die Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode. Die Szenen, die in Rom spielen, entstanden im marokkanischen Ouarzazate.

Fast zehn Jahre zogen sich die Vorbereitungen des Films hin, der Produktionsprozess war holprig und von massivem Ärger begleitet:
Die zuerst für die Hauptrolle vorgesehene Franka Potente wurde wieder rausgeworfen und durch Johanna Wokalek ersetzt, Regisseur und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff durch Sönke Wortmann.

Die in Schmidtheim gedrehten Szenen handeln von den "Lehrjahren" der späteren Päpstin. Das Film-Team wurde während der Dreharbeiten im Alten Sägewerk in Schmidtheim betreut – darunter auch Komparsen, die in einem Casting in Schmidtheim gesucht worden waren. 250 Interessenten hatten sich damals im Bürgerhaus zum Casting für diese „Mini-Rollen“ eingefunden.
Egon Joisten, der auf dem nahegelegenene Flugplatz Dahlemer Binz einen Tragschrauber-Service anbietet, berichtete 2008, er habe beim Überflug über den Schmidtheimer Wald ein Dorf entdeckt, in dem die Zeit stehengeblieben sei.
Doch beim nächsten Gyrokopter-Flug mit dem Fotografen blieb das Dorf „verschwunden“, zu gut waren die strohgedeckten Hütten und Häuschen der Landschaft angepasst.

Ein paar Jahre später waren noch zwei Hütten aus Lehm, Stroh und Holz zu sehen. Von der weiteren „Infrastruktur“ des Dorfs – Gärten, Friedhof und Ställe – waren lediglich niedergetretene Umrandungen zu erkennen.

Filmkritik

• Der Film plätschert ohne besondere Höhepunkte so vor sich hin. Für die Glaubwürdigkeit der Geschichte war mir die Hauptdarstellerin Johanna Wokalek viel zu weiblich.
florian.oceanic.jacob

• Das Superweib des Mittelalters oder Dreigroschenfeminismus der Münchner Schule: Warum man Die Päpstin verfilmen muss, bleibt ein Geheimnis der Produzenten.
Rüdiger Suchsland

• Vergib uns unser Debakel: Eine Frau, die einen Mann spielt, der die Tunte gibt - fast erscheint der Vatikan als Käfig voller Päpste.
Spiegel Kultur

Bewertung:   6,7/10  IMDb


*** Schmidtheim ***

mit seinen knapp 1.500 Einwohnern der größte Ortsteil der Gemeinde Dahlem im Kreis Euskirchen, wird erstmals in einer Königsurkunde aus dem Jahre 867 erwähnt. Zur Manifestierung ihrer Macht erbauten die Herren von Schmidtheim eine Burg in der Nähe der Pfarrkirche, auf deren Grundmauern das heutige Schloss errichtet wurde. Stolze Besitzer seit etwa 1500 ist die Familie der Grafen Beissel von Gymnich - und das bis ins 21. Jahrhundert!

Abgesehen vom Schloss, einer alten Linde und einem Barfuß- und Generationenpark gibt es im Ort keine wirklichen »touristischen Highlights«, um so mehr aber in der näheren Umgebung.
Nur ein paar Kilometer südlich liegt beispielsweise die Burgsiedlung Kronenburg rund um die alte Wehranlage mit viel mittelalterlischem Flair und einem Wassersportsee im Tal.

Bewertung:   4,1/5  Tripadvisor

History • Drama

Constantin  2009