S chlecht gelaunt schickt Redakteur Guy Foster (Günther Stoll) seine Frau Melissa (Ruth Maria Kubitschek) allein auf eine Party. Einige Stunden später bestellt ihn Melissa zu einer Adresse, doch die existiert überhaupt nicht. Stattdessen trifft Guy auf Beamte von Scotland Yard, die die Leiche einer Frau untersuchen.
Unversehens steckt Guy mitten in einem mysteriösen Mordfall…

Straßenfeger

- so nannte man in den frühen 1960er Jahren TV-Krimiserien, die soviele Zuschauer vor den Bildschirm lockten, dass die Straßen praktisch menschenleer gefegt wurden. So hatten im deutschen Fernsehen eine Reihe von Krimis Hochkonjunktur, die aus der Feder des britischen Autors Francis Durbridge (1912 – 1998) stammten, und die - für heutige Verhältnisse unvorstellbare - Einschaltquoten von 70% - 90% erzielten.

Unvergessen bleibt wohl der legendäre Sechsteiler "Das Halstuch" (1962) mit einem "Enthüllungsskandal" des Berliner Kabarettisten Wolfgang Neuss, der einen Tag vor Ausstrahlung der letzten Folge per Zeitungsanzeige der Nation den Mörder (Dieter Borsche) verriet, danach Morddrohungen erhielt und von der Bildzeitung als "Vaterlandsverräter" gebrandmarkt wurde.

1966 wurde mit "Melissa" die Durbridge-Erfolgs-Story im ersten deutschen Fernsehen unter der Regie von Paul May fortgesetzt. Auch diesmal versammelten sich die Menschen ab 10. Januar 1966 vor der schwarz-weißen Flimmerkiste und verfolgten weitere zwei Abende lang die Auflösung der Geschichte.
Dass Kneipen- und Kinobesitzer oder sonstige Veranstalter wiederum keine Chance hatte, versteht sich von selbst; auch bei "Melissa" waren die Innenstädte und Ortschaften verödet. In Nordrhein-Westfalen verweigerten Arbeiter die zeitgleiche Spätschicht.

Dreharbeiten

Der Melissa-Dreiteiler produzierte der WDR für die ARD vor allem in Blankenberg und Hennef bei Bonn; einige Szenen wurden auf dem Beuerhof nahe Üxheim in der Vulkaneifel gedreht, die meisten Innenaufnahmen in einer angemieteten Tennishalle in Köln.
Die Hauptrolle hatte man zuerst Hansjörg Felmy angeboten, der die Gage wohl als zu gering einstufte. Wie schon bei den Vorgängerfilmen mussten die Schauspieler eine Klausel unterschreiben, in denen ihnen bei Androhung hoher Geldstrafen verboten wurde, das Ende zu verraten.
In Großbritannien wurde "Melissa" alleine drei Mal verfilmt, darüberhinaus - fast zeitgleich mit der deutschen Fassung - auch als Sechsteiler in Italien.

Filmkritik

• "Melissa" ist eine sehr gute TV-Verfilmung mit einem überzeugenden Günther Stoll, der in der Rolle des verzweifelten Ehemannes total überzeugt.
Auch die anderen Darsteller wie Siegfried Wischnewski, Hanne Wieder, Ulrich Beiger, Hubert Suschka usw. spielen mit Bravour!

Mike Perce

• Diese Durbrigde Krimis habe ich als Kind gesehen und erlebt, mit welcher Spannung man auf die Fortsetzung gewährten hat.
Vor fünfzig Jahren war wirklich kein Mensch auf der Straße, wenn ein solcher Mehrteiler im Fernsehen lief - heute kaum nachzuvollziehen bei diesen doch recht primitiven Filme.

Heidi Täffner

• Trotz des in die Jahre gekommenen Film-Materials und der Digitalisierung wird das Flair der damaligen Zeit gut wiedergegeben. Für heutige Verhältnisse undenkbar und deshalb ungewohnt sind die intensiven "Rauchorgien", an denen heute höchstens ein Internist Freude hätte.
Alles in allem ist die Reihe von der ersten bis zur letzten Minute spannend.

pekosore

Bewertung:   7,9/10  IMDb

Der Autor

Francis Durbridge (*1912 in Hull, Yorkshire; † 1998 in London), Sohn eines Woolworth-Managers, studierte an der Universität Birmingham Altenglisch und Volkswirtschaft und arbeitete danach kurzfristig als Börsenmakler. Danach wandte sich ganz dem Schreiben zu; bereits 1933 erschien sein erstes Bühnenstück.
Durbridge war 30 Jahre bei der BBC als Hörspielautor tätig und publizierte 35 Romane. Seinen Durchbruch hatte er mit seinem fiktiven Kriminalschriftsteller und Hobbydetektiv Paul Temple.


*** Auf dem Beuerhof ***

bei Üxheim in der Vulkaneifel haben schon Kelten und Römer ihre Spuren hinterlassen. Anfang der sechziger Jahren lebte auf dem heruntergekommenen Anwesen ein Aussteiger, dem man ein Angebot unterbreitete, das er nicht ablehnen konnte.

Auftritt Dieter Scholz: Der gelernte Dekorateur wird auf einer Kölner Messe als Dressman für Herrenbekleidung entdeckt und kommt zu bescheidenem Wohlstand. Von den Werbeeinnahmen kauft er Mitte der sechziger Jahr den Beuerhof als Familiendomizil.
Ein paar Jahre später wird der Nichtraucher von Reynolds Tobacco als "Camel-Mann" gecastet ("Ich geh´ meilenweit...").

1990 - Scholz ist inzwischen erfolgreicher Unternehmer, Inhaber einer Werbeagentur und Gründer der Modezeitschrift "Fashion Today Men" - will er den Beuerhof verkaufen, als ein Freund ein paar Indianer vom Stamme der Lakota-Sioux anschleppt, darunter Häuptling und Medizinmann.
Die fackeln nicht lange und ziehen direkt vor Ort ihre Rituale ab, trommeln, singen und bauen eine Schwitzhütte auf. Der Platz sei ideal für die alten Zeremonien, erklärt der Häuptling, und Scholz ist schwer beeindruckt.

Er lässt sich in den Stamm aufnehmen und baut den Beuerhof zu einem Seminarzentrum für indianische Spiritualität aus, komplett mit Haupthaus, Schwitzplätzen und Tipis.
"Wigwam" sagen übrigens nur die Bleichgesichter. Der Titel seines Seminars für Führungskräfte lautet "Neue Erfahrungen für Häuptlinge", der SWR bringt über den "Eifelindianer" eine eigene Dokumentation.

Bewertung:   4,6/5  Tripadvisor

TV-Krimiserie

WDR  1966